Neue Wege für den Wertstoffhandel

Die Logistikbranche ist unbestreitbar ein zentraler Wachstumstreiber der deutschen Wirtschaft und leistet neben der Automobilbranche und dem Handel den größten Beitrag für das Beschäftigungsniveau im Land. Das generell hohe Beschäftigungsniveau in Kombination mit einem steigenden Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern macht es für Logistikunternehmen zunehmend schwerer, geeignetes Personal zu finden. Noch angespannter ist die Situation, sieht man sich die Speziallogistik beispielsweise im Wertstoffhandel an.

“Es fehlen schlichtweg die Fahrer”, sagt Christian Menz, CSO bei scrappel, dem digitalen Marktplatz für Wertstoffhandel. “Bedingt durch die Besonderheiten des Materials, z.B. dem hohen Gewicht oder der sperrigen Form, gibt es spezielle Anforderungen an die benötigte Transporttechnik.” Als Beispiel nennt er den Transport von Eisenschrott. Hier kann fast ausschließlich „schwere“ Fahrzeugtechnik eingesetzt werden, wie etwa Containerfahrzeuge oder Stahlauflieger. Da diese Art der Speziallogistik regional unterschiedlich verfügbar ist, stehen Kapazitäten nur eingeschränkt zur Verfügung. Unternehmen in eher abgelegenen Gebieten verlieren so den Zugang zum Markt, weil sie de facto davon ausgeschlossen sind. Saisonale Effekte verstärken teilweise das Problem. So wird zum Beispiel in ländlich geprägten Regionen im Zuge der Ernte der für Schrotttransporte infrage kommende Frachtraum weiter verknappt.

Die Wirkung für die betroffenen Unternehmen liegt auf der Hand. “Stellen Sie sich vor, Sie können Eisenschrotte oder Buntmetalle in großen Mengen zu guten Konditionen kaufen oder verkaufen. Sie finden aber niemanden, der Ihnen die Ware bedarfsgerecht von A nach B transportiert. Ein Albtraum für alle Beteiligten, denn durch die daraus folgende Verzögerung der weiteren Prozessschritte, kann der Handel schnell unwirtschaftlich werden”, so Menz. Hohe Kosten für Logistik, stark eingegrenzte Handlungsoptionen bis hin zur vorübergehenden Handlungsunfähigkeit und damit ein ausgewachsener Wettbewerbsnachteil sind die Konsequenzen.

Was sind also die Optionen der Händler? Bisher war es vor allem eine: die Nutzung von Logistikbörsen. Diese haben den Mangel bereits vor einigen Jahren erkannt und durch den Aufbau von digitalen Angeboten Kompensationslösungen etabliert. Für den Wertstoffhandel sind diese Angebote jedoch nur in wenigen Fällen eine echte Alternative. In der Regel werden solche Börsen von Spediteuren und Frachtführern genutzt, um Kapazitäten optimal auszulasten. Spezielle Transporttechnik wird dabei meist nicht oder nur in ungenügender Menge angeboten. Außerdem werden solche Börsen oft aus Angst vor ungewollter Preisgabe von Informationen gemieden: “Der teilweise benötigte Grad an Vertraulichkeit von Transportinformationen ist über eine Börse nicht gegeben. Gemäß dem Funktionsprinzip einer Logistikbörse müssen Strecken offen gelegt werden, um ein Angebot erhalten zu können. Im Endeffekt kann somit jeder, der Zugang zu einer solchen Ausschreibung hat, die Lieferbeziehung zwischen zwei Partnern ableiten, also auch konkurrierende Wertstoffhändler”, erklärt Menz.

Auf der Suche nach einer Lösung für die Überbrückung von Engpässen und gleichzeitiger Schaffung von Vertrauen sollten Akteure im Wertstoffhandel ihren Blick auf digitale Plattform-Modelle richten. Der ineffiziente Weg, beispielsweise per Telefon oder E-Mail ist nicht mehr zeitgemäß. Stattdessen bedarf es definierter Prozesse, die ein Höchstmaß an Sicherheit und Vertrauen für den Handel an sich sowie für den Logistikbedarf herstellen. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die zwischen zwei Verhandlungs- bzw. Geschäftspartnern geschützte und vertrauliche Kommunikation.

Handelsplattformen stellen den direkten Kontakt zwischen ihren Nutzern und den Logistikunternehmen her. Vorteile ergeben sich auf beiden Seiten: Nutzer der Handelsplattformen, wie z.B. Wertstoffhändler, aber eben auch metallverarbeitende Unternehmen, Industrie- oder Bauunternehmen sorgen für einen attraktiven Auftragsbestand an möglichem Transportvolumen. Insbesondere neue Handelspartner benötigen Frachtraum, um die Geschäfte rasch abwickeln zu können. Diese zusätzlichen Möglichkeiten können den Weg für eine bessere Auslastung der Technik ebnen – ohne zusätzliche Investitionen und nur durch die Nutzung eines digitalen Werkzeugs. Dabei betrifft dies nicht nur die Transporttechniken für den Fernverkehr. Auch Unternehmen, die regional fokussiert ihre Leistung erbringen, können profitieren. Die Digitalisierung des Wertstoffhandels eröffnet den Spezialisten neue Wege, um eine breitere Abdeckung des Punktes Logistik in der Wertschöpfungskette zu gewährleisten. Christian Menz fasst zusammen: “Ziel einer ausgereiften Plattform muss es sein, verifizierte Transportunternehmen direkt in die Handelsplattform zu integrieren. Nur so können die Vorteile eines digitalisierten Handelsprozess vollständig ausgespielt und damit effizient gestaltet werden. Bei scrappel arbeiten wir bereits mit entsprechenden Partnern an einem Pilotversuch.”

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