Die Siemens AG Sector Industry setzte an ihrem Chemnitzer Standort in der Fertigung bis-her Holzpaletten ein. Um die innerbetrieblichen Prozesse und die Arbeitsbedingungen der Monteure zu verbessern, hat das Unternehmen jetzt die Europaletten gegen wiederver-wendbare Kunststoffpaletten getauscht.
Der Sector Industry der Siemens AG entwickelt und fertigt in seinem Geschäftsbereich Drive Technologies leistungsfähige Steuerungen, Antriebe und Simulationstools für Werkzeug- und Produktionsmaschinen. Dazu bietet das Unternehmen seinen Kunden die komplette Betreuung über den gesamten Produktlebenszyklus an. Im Werk für Kombinationstechnik werden Ausrüstungen für die Branchen Maschinenbau, Logistik, Automobil und Tele-kommunikation entwickelt, projektiert, gefertigt und vermarktet. Dabei gehören Standard-produkte ebenso zum Spektrum wie kundenspezifische elektronische Baugruppen, Geräte für Leistungselektronik und Automatisierungskomponenten. Das Werk für Kombinations-technik berät bei der Normenauslegung und der Konzeption für Antriebstechnik, Steuerung, Bedienung und Sicherheit. „Unsere Ingenieure projektieren für unsere Kunden, führen Design to Cost Projekte durch und stellen Kundenunterlagen bei Bedarf auf UL oder neue Techniken um“, erklärt Christian Binner, Versandleiter der Siemens AG Sector Industry im Werk Chemnitz.
Bisher wurden alle Materialien auf Europaletten in die Fertigung gebracht. Die Holzpaletten dienten dort sogar als Montageunterlage. Damit die Elektrobauteile nicht seitlich von der Palette herunterfallen, haben die Mitarbeiter einen Holzrahmen aufgesteckt. Für den internen Materialtransport in die Fertigung liegen die Paletten auf Transportwagen, die nach Bedarf an das Montageband gefahren werden. Von dort entnehmen Monteure die Einzel-teile und verbauen sie in den Schaltschränken. Ist die Montage abgeschlossen, kommen die leeren Wagen zurück in das Materiallager, wo Lagermitarbeiter die Paletten neu bestücken.
Die Paletten dienen auch als Unterlage für die Montage von Schaltkästen und Bedien-pulten. Dazu arbeiten die Monteure mit einer Einweglösung: Eine Arbeitsplatte aus Pappe auf der Palette verhindert, dass elektronische Komponenten wie Kabelschuhe oder Stecker durch die Lücken fallen oder in den Zwischenräumen stecken bleiben. „Außerdem werden Schaltschränke und Bedienpulte für die Montage teilweise sogar auf der Palette ange-schraubt“, erklärt Binner. Das angebohrte Holz verlor dadurch schnell an Stabilität. Bei vielen Arbeitsprozessen verletzten sich die Monteure an Holzsplittern, was häufig zu Ausfallzeiten führte. Außerdem beeinträchtigte der Holzabrieb die staubempfindlichen Arbeiten in der Fertigung. Bei Lagerung im Freien saugten sich die Holzpaletten mit Regenwasser voll. „Unsere hoch empfindlichen Elektronikgeräte konnten wir dann darauf nicht mehr abstellen“, sagt der Versandleiter. Eine neue Paletten-Lösung musste gefunden werden.
Um Arbeitssicherheit, Sauberkeit, Stabilität, Handhabung, Lebensdauer und Erscheinungs-bild in der Fertigung zu verbessern, haben sich die Verantwortlichen im Chemnitzer Werk des Siemens Industry Sector für die Einführung der Kunststoffpalette EOS 1208 HR+3R von Schoeller Arca Systems mit einem Kunststoffaufsatzrahmen eines Fremdherstellers ent-schieden. Damit wurde der gesamte Bestand an Holzpaletten für den internen Umlauf durch 1.500 wieder verwendbare Kunststoffpaletten im Europalettenformat ersetzt. Die EOS 1208 HR+3R wird aus Kunststoffrecyclingmaterial hergestellt, das in der Industrie anfällt. Sie hat ein durchbrochenes Oberdeck, ein Eigengewicht von 18 kg und ist mit drei Längs-kufen ausgestattet. Ihre maximale statische Ladekapazität liegt bei 5.000 kg. Dynamisch kann sie mit bis zu 1.000 kg beladen werden. Für Siemens war es wichtig, eine preis-günstige und qualitätssichere Variante zu finden. In einem dreimonatigen Test und einer Mitarbeiterbefragung in Fertigung, Materialversorgung und Lager haben die Kunststoff-palette EOS 1208 HR+3R und der Palettenaufsatzrahmen überzeugt. „Wir hatten parallel drei verschiedene Palettentypen von Schoeller Arca Systems getestet, mit durchbrochenem Oberdeck, mit glatter Oberfläche, mit verschiedenen Ladekapazitäten und Festigkeiten“, sagt Binner. Im Chemnitzer Werk macht die Kunststoffpalette EOS 1208 HR+3R die Arbeit der Monteure jetzt sicherer, sie ist sauber, stabil und überzeugt durch ihre lange Lebensdauer.
Mit der EOS 1208 HR+3R wird in der Fertigung das angestrebte professionelle Erschei-nungsbild erreicht. Das durchbrochene Deck dieses Palettentyps macht Verschraubungen möglich, ohne die Palette anzubohren. Das Verletzungsrisiko durch Holzsplitter entfällt und die Ausfallzeiten verringern sich. Ein weiterer wichtiger Punkt ist für Binner, dass die Kunststoffpaletten für den internen Transport durch eine Heißprägung mit Firmenlogo eindeutig gekennzeichnet werden können und auch nur dort zum Einsatz kommen. „Für den Warentransport und Versand zum Kunden nehmen wir weiterhin Holzpaletten“, sagt der Versandleiter und fügt hinzu: „Die neuen Kunststoffpaletten halten bei unserem Einsatz fünf bis sechs Jahre.“ In der Unternehmenslogistik haben sich die Abläufe mit den neuen Paletten nicht geändert. Jedoch können Investitionsmittel eingespart werden. Eine Europalette musste bereits nach drei Monaten ersetzt werden. Die Kunststoffpaletten werden 20 Mal länger im Einsatz sein, als ihre Holz-Variante. „In einem Betrachtungs-zeitraum von fünf Jahren werden wir pro Jahr ca. 6.000 Euro sparen“, freut sich Binner.

