Blick auf die 4. industrielle Revolution

In vielerlei Hinsicht war es eine Handelsmesse wie jede andere. Doch am Ende war es etwas ganz Besonderes. Es geschah auf der Hannover Messe, der weltweit größten Ausstellung für industrielle Technologien. Auf dieser Messe fanden sich nicht nur Tausende von Ständen, an denen die neuesten und großartigsten Entwicklungen in Bereichen wie Automation, Steuerung, Energie und erneuerbare Energien ausgestellt wurden, sondern sie war auch die Geburtsstätte des Begriffs „Industrie 4.0“.

Für die drei Wissenschaftler, die den Ausdruck „Industrie 4.0“ erfanden, war es wohl kaum vorstellbar, dass dieser Begriff nur wenige Jahre später ein so globales Phänomen werden würde. Allerdings hat sich der daraus resultierende globale Trend zur Digitalisierung fragmentiert, und in einzelnen Ländern werden unterschiedliche Formulierungen für zur Industrie 4.0 gehörende Aktivitäten verwendet. In diesem Artikel erläutert Jonathan Wilkins, Marketing Director bei EU Automation, warum uns diese unterschiedlichen Wege und Ansätze nicht trennen, sondern vielmehr den Beginn der Vierten industriellen Revolution markieren.

Der Anfang
Drei Ingenieure hielten im April 2011 eine Pressekonferenz auf der Hannover Messe, um der Welt ihre neue Vision zu präsentieren: Industrie 4.0. Hier erläuterten Dr. Henning Kagermann von der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech), Dr. Wolfgang Wahlster vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und Dr. Wolf-Dieter Lukas vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), dass die Fähigkeit zur Durchsetzung als Produktionsstandort in einer Hochlohnregion zunehmend zu einem wichtigen Thema im globalen Wettbewerb wird.

Ihrer Meinung nach hatte Deutschland die wirtschaftlichen Auswirkungen der Finanzkrise unter anderem deswegen so gut gemeistert, weil hier der Entwicklung und Integration neuer Technologien und Prozesse ein bedeutender Stellenwert eingeräumt wurde. In Hinblick auf die Zukunft bedeutet dies, sich auf die internetbasierte vierte Industrielle Revolution vorzubereiten.

Das Tempo der Veränderung
Während bei der ersten industriellen Revolution Wasser und Dampf zum Antrieb der mechanischen Herstellung genutzt wurde, kam bei der zweiten industriellen Revolution Strom für die Massenproduktion zum Einsatz. Bei der dritten industriellen Revolution wurden Elektronik und Informationstechnologie zur Automatisierung genutzt. Und bei der vierten industriellen Revolution werden nun digitale Technologien eingesetzt, um der fusionellen Entwicklung gerecht zu werden, welche die Grenzen zwischen physischen, digitalen und biologischen Welten verwischt.

Obwohl diese Revolutionen an sich nichts Neues sind, ist es doch interessant zu beobachten, dass sich heute die Geschwindigkeit verändert hat, mit der sie ablaufen. Die erste industrielle Revolution dauerte rund 80 Jahre, die zweite rund 44 Jahre, die dritte dauerte 31 Jahre und die vierte begann vor weniger als 10 Jahren.

Das Tempo der Veränderung ist jedoch nicht einheitlich. Klar ist, dass die einzelnen Länder auf dem Weg zur Digitalisierung unterschiedlich schnell vorankommen, und dass der Fortschritt in den Branchen wie Finanzdienstleistungen, Elektronik, Telekommunikation, Automobilindustrie und Maschinenbau am schnellsten voranschreitet, während er sich in Bereichen wie Logistik, Verbrauchsgüter, Immobilien und Bauwesen langsamer vollzieht.

Ausmaß und Geschwindigkeit der Übernahme neuer Technologien stehen in einem Missverhältnis zum Bewusstsein darüber, was die vierte industrielle Revolution tatsächlich ermöglicht, und es mangelt an einheitlicher Führung, die bestrebt ist, Änderungsinitiativen zu fördern. Dies hat zu einer Fragmentierung dieses in Entwicklung befindlichen Systems und dazu geführt, dass in verschiedenen Ländern unterschiedliche Begriffe für die industrielle Digitalisierung bzw. Industrie 4.0 verwendet werden, wie zum Beispiel Society 5.0, Smart Industry, Industrie du Futur, Industria Conectada 4.0, Manufacturing USA und Made in China 2025.

Deutschland
Da wir Deutschland bereits als Beispiel erwähnt haben, werfen wir nun einen genaueren Blick darauf, wie sich die Geburtsstätte der Industrie 4.0 weiterentwickelt. In Europa hat Deutschland als größte Volkswirtschaft eine Vorreiterrolle inne, und gemessen am nominalen Bruttoinlandsprodukt nimmt es im weltweiten Vergleich den beeindruckenden vierten Platz ein. Im Jahr 2016 verzeichnete das Land den höchsten globalen Handelsbilanzüberschuss und es ist der weltweit drittgrößte Exporteur.

Der Begriff „Industrie 4.0“ wurde zwar erst im Jahr 2011 geprägt, doch dies war nur der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die mit der Einführung der Hightech-Strategie der deutschen Regierung im Jahr 2006 ihren Anfang nahm.

Die Strategie hatte zum Ziel, das Land zu einem Weltmarktführer in den Bereichen Forschung und Innovation zu machen. Sie umfasste unter anderem die Schaffung einer beratenden Arbeitsgruppe. Und es waren letztendlich deren Beiträge in den Bereichen cyber-physische Systeme, Mobilität, Gesundheit, Energie und Produktion, die die Regierung veranlassten, das Konzept der „Industrie 4.0“ zu übernehmen. Dies führte wiederum zur Schaffung der „Plattform Industrie 4.0“, einer Kooperation, die im April 2013 von drei privaten Vereinigungen zur Digitalisierung der Industrie eingerichtet wurde.

Vereinigtes Königreich
Im Vereinigten Königreich, der Heimat der ersten industriellen Revolution, erholt sich die Lage gerade erst von der Finanzkrise von 2009. Eine schwache Produktivität hat die britische Regierung dazu gezwungen, ihre industrielle Strategie einzuführen.

Diese Strategie skizziert vier „Grand Challenges“ und damit herausfordernde Bereiche, in denen Großbritannien eine führende Rolle bei der globalen technologischen Revolution einnehmen kann: Künstliche Intelligenz und Big Data; sauberes Wachstum; die Zukunft der Mobilität und das Erfüllen der Anforderungen einer alternden Gesellschaft.

Trotz des allgemeinen Rückgangs der wirtschaftlichen Produktivität floriert der britische Fertigungssektor. Der Erfolg einer noch umfassenderen Digitalisierung hängt jedoch vom potenziellen Wachstum und der Nutzung digitaler Technologien in diesem Sektor ab.

Das Vereinigte Königreich verfügt über besonders starke Kompetenzen in modernen Fertigungssektoren wie Luft- und Raumfahrt, Pharmazeutika, Nahrungsmittel und Getränke, FinTech und Bauwesen. Es befindet sich also trotz einiger Hindernisse in einer sehr guten Position, um vom Wachstum im digitalen Bereich zu profitieren. Wenn bestehende Entwicklungen fortgeführt und Hürden überwunden werden — und einfach durch weniger Skepsis gegenüber der Einführung neuer Technologien — ist das Vereinigte Königreich durchaus in der Lage, wieder erfolgreich zu sein und wieder eine Vorreiterrolle einzunehmen.

Eine globale Sicht
Diese beiden Länder kratzen jedoch nur an der Oberfläche der digitalen Entwicklung von Ländern weltweit. In unserem neuen Buch „4.0 Sight – Digital industry around the world“ haben wir zahlreiche Analysen und Erkenntnisse zu diesen und vielen anderen Ländern zusammengetragen, unter anderem für Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien, Skandinavien und Spanien.Das Buch wurde am 27. November 2018 auf der SPS Drives in Nürnberg präsentiert.

Seit der Veröffentlichung unseres ersten Buches, The Book of Obsolescence Management, haben wir uns als Unternehmen entscheidend weiterentwickelt. Dank unserer Spezialisierung auf die Lieferung obsoleter Industriebauteile konnte EU Automation in den letzten zehn Jahren ein rasantes Wachstum verzeichnen. Wir haben mit einem kleinen Team begonnen, dessen Aufgabe darin bestand, Ausfallzeiten für die Hersteller zu reduzieren. Mittlerweile haben wir uns zu einem multinationalen Unternehmen mit Niederlassungen in Chicago und Singapur und mit Kunden in aller Herren Länder entwickelt.

Auf unseren Reisen haben wir mit unterschiedlichsten Menschen gesprochen. Eines der Themen, die dabei immer wieder zur Sprache kamen, war die Tatsache, dass einzelne Länder auf ihrem Weg zur Digitalisierung unterschiedlich weit fortgeschritten sind.

Wir haben jedoch festgestellt, dass diese Tatsache uns nicht im geringsten voneinander trennt. Es ist vielmehr so, dass Regierungen und Unternehmen den Technologien und Programmen, die wir gemeinsam haben, unterschiedliche Bezeichnungen verliehen haben. Solche Dinge werden weitgehend unter dem Oberbegriff „Industrie 4.0“ zusammengefasst, dem einheitlichen Begriff zur Beschreibung der vierten industriellen Revolution.

Daher haben wir uns zum Verfassen dieses Buches entschlossen, um eine Roadmap für die bahnbrechende Initiativen und die hochmodernen Technologien zu bieten, welche zur Veränderung der Welt beitragen. Das Buch enthält Einblicke renommierter Experten aus unterschiedlichen Branchen, stellt die neun großen Technologien vor, die die Industrie verändern, und legt unsere Prognosen dazu dar, wie sich die technologische Landschaft in den kommenden Jahren verändern wird.

Hier können Sie ein kostenloses Exemplar des vollständigen Buchs herunterladen www.4sightbook.com

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