Deshalb zahlen China-Importeure in Renminbi

Eine Umstellung bei der Währung im deutsch-chinesischen Handel kann sich gerade für den Mittelstand lohnen – unter bestimmten Umständen. China steht einmal mehr im Mittelpunkt des weltweiten Interesses. Als geopolitischer Antagonist der USA unter Donald Trump ebenso wie als wirtschaftliche Supermacht – zurzeit jedoch mit deutlich gebremstem Wachstum. Dabei sind die im Vergleich zu vergangenen Jahren und Jahrzehnten geringeren Zuwachszahlen nicht einfach als Menetekel zu interpretieren. Sie können auch bedeuten, dass im Reich der Mitte allmählich ökonomische Normalität und damit letztendlich mehr Nachhaltigkeit einkehrt.

Für den Westen, insbesondere Deutschland, bleibt das Land dennoch einer der wichtigsten Handelspartner, an dem auch in der kommenden Zeit nur wenige Wege vorbeiführen werden. Das wirft die Frage auf: Welche Auswirkungen hat diese Tatsache auf die aktuellen Leitwährungen, allen voran den US-Dollar? Eine erschöpfende Antwort hierauf kann es natürlich nicht geben – aber bestimmte Tendenzen lassen sich im internationalen Handel durchaus feststellen.

Tatsächlich gewinnt der chinesische Renminbi an Bedeutung. Wird der Zahlungsverkehr bei den Big Playern nach wie vor fast ausschließlich in US-Dollar abgewickelt, so wenden sich kleinere Unternehmen und insbesondere der (importierende) Mittelstand in Deutschland verstärkt der chinesischen Währung als Zahlungsmittel zu. „Verstärkt“ ist dabei jedoch relativ zu verstehen – nach wie vor wird der überwiegende Teil des deutschen China-Handels in US-Dollar abgewickelt.

Was spricht konkret für einen solchen Wechsel? Welche Vorteile bietet er gegenüber der traditionellen Variante – und welche Risiken gilt es zu beachten?

Steigende Unsicherheit hinsichtlich der Politik
Die Gründe für den Renminbi sind mehrschichtig. Zum einen ist da die (tages-)politische Perspektive: Wird ein Geschäft in US-Dollar getätigt, werden die Zahlungs- und Informationsströme unter Aufsicht der US-Behörden abgewickelt. Entsprechend werden Geschäftsbeziehungen mit China an einer Stelle sichtbar, der manche mittelständische Unternehmer nur noch eingeschränkt vertrauen.

Zum anderen gibt es auch rein finanziell motivierte Überlegungen, die für einen Wechsel sprechen können. Bis vor einigen Jahren spielten Kursschwankungen keine große Rolle, da der Renminbi an den US-Dollar gekoppelt war und dessen Bewegungen fast 1:1 nachvollzog. Seit der Entkoppelung bieten sich hier neue Spielräume. Zudem entfallen Risiken einer Doppelkonvertierung, bei der Dollar, Renminbi und Euro verrechnet werden müssen.

Eine Herausforderung ergibt sich natürlich im Hinblick auf langfristig angelegte Geschäfte, da die Entwicklung des Wechselkurses auf längere Zeiträume kaum prognostizierbar ist. Zwischen Bestell- und Bezahlzeitpunkt kann sich dadurch ein erheblicher Preisunterschied bemerkbar machen. Diesem Risiko begegnen viele Unternehmen mit dem Instrument des Termingeschäfts, bei dem wichtige Kenngrößen bereits beim Abschluss des Deals festgelegt werden.

Renminbi-Markt bietet ausreichende Absicherungsmöglichkeiten
Begünstigt wird der Handel in Renminbi auch von der zunehmenden Liquidität der chinesischen Währung. Noch vor einer Dekade konnten deutsche Unternehmen diese Währung nicht kaufen, erst nach intensiven Bemühungen der Chinesischen Zentralbank ist inzwischen ein einigermaßen liquider Markt entstanden. Er bietet im Wesentlichen alle Absicherungsmöglichkeiten, die auch beim US-Dollar erwartet werden dürfen. Wer also kann am stärksten von einem auf Renminbi umgestellten Handel profitieren, für wen lohnen sich entsprechende Überlegungen? In erster Linie natürlich für solche Unternehmen in Deutschland, die Waren aus China beziehen – und in einem margensensitiven Geschäftsumfeld tätig sind.

Noch ein weiterer ökonomischer Effekt kommt den Unternehmen zugute. Das Zinsdifferential zwischen Europa und China ist vorteilhafter und bietet speziell bei längerfristigen Absicherungen signifikante Vorteile. Wie lange dieser Vorteil noch genutzt werden kann, hängt maßgeblich von der chinesischen Zentralbank ab, da eine Abkühlung der Wirtschaft gegebenenfalls mit niedrigeren Zinsen bekämpft werden kann.

Margensensitivität beachten
Insgesamt wird der Renminbi den US-Dollar als Leitwährung bei internationalen Geschäften so schnell wohl kaum ablösen. Aber für einzelne Unternehmen kann eine solche Überlegung interessant sein. Dabei sollte unbedingt beachtet werden, dass die Anforderungen an das Risikomanagement mit dem Grad der Margensensitivität der gehandelten Güter steigen, damit die Erträge nicht gleich wieder durch Wechselkursentwicklungen ausgezehrt werden können.

Aus rein finanzieller Sicht kann eine Umstellung also sinnvoll sein. Auch wenn der US-Dollar auf absehbare Zeit die dominierende Währung im Handel deutscher Unternehmen mit China bleiben wird, ist davon auszugehen, dass sich der Renminbi in den nächsten Jahren als ernstzunehmende Alternative etablieren wird.

von Gerhard Scharinger, Head of Corporate Hedging Central and Eastern Europe bei Western Union Business Solutions

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