Dringender Handlungsbedarf durch Prozessdefizite

Mit der Fachbereichsstudie Einkauf im Handel legt das Analystenhaus techconsult den zweiten Bericht zur neuen Reihe der Fachbereichsstudien zum Business Performance Index Mittelstand D/A/CH vor. Ziel dieser Berichte ist, Fachbereichsverantwortlichen in kompri-mierter Form die aktuell im Zusammenhang mit den Fachbereichsprozessen stehenden Umsetzungsdefizite und dringendsten Handlungsfelder, in ihrer Branche aufzuzeigen.

Sehr deutlich wird, wo die Handelsunternehmen im Bereich Einkauf ihre Probleme haben. Dabei können zum einen Umsetzungsdefizite festgestellt werden, das heißt, dass die bisherige Umsetzung noch nicht das als wünschenswert erachtete Niveau erreicht hat, zum anderen wird auch sichtbar, bei welchen Teilprozessen am häufigsten Unzufriedenheit mit der Umsetzung besteht.

Größtes Problemfeld des Großhandels: Eigenmarkenentwicklung
Die Großhändler sind augenscheinlich mit der Eigenmarkenentwicklung überfordert. Jeder dritte sieht hier deutliche Umsetzungsprobleme. Gleichzeitig kommt dieser aber eine hohe Relevanz zu. Eigenmarken stehen stellvertretend für die Qualität eines Händlers und bauen Vertrauen zum weiteren Produktsortiment auf. Damit sind sie ein wichtiger Bestandteil für die Kundenbindung. Gleichzeitig sind Eigenmarken meist günstiger in der Produktion und bieten eine deutlich höhere Gewinnmarge als der Vertrieb fremder Produkte, die durch zusätzliche Vertriebs- und Marketingkosten des Produzenten weitaus teurer im Einkauf sind. Eine Sub-branche bildet eine Ausnahme: Große Teile der Lebensmittelgroßhändler vertreiben bereits seit Jahren erfolgreich Eigenmarken, wodurch der Anteil der Händler mit Umsetzungspro-blemen in dieser Subbranche deutlich geringer ist. Ganz im Gegensatz zu den Elektronik-großhändlern: fast 40% von ihnen haben erhebliche Probleme. Offensichtlich werden Elektronikartikel zwar günstig in Asien produziert, jedoch auch direkt von dortigen Großhänd-lern vertrieben bzw. ohne Großhändler direkt an den Einzelhandel bzw. Einzelhandelsketten verkauft, sodass es schwer fällt, eine konkurrenzfähige Eigenmarke zu etablieren.

Großhandel für Elektronik, Unterhaltung und IuK-Technologien schwächelt im Einkauf
Nicht nur die Eigenmarkenentwicklung macht den Elektronikgroßhändlern zu schaffen. Der gesamte Einkaufsprozess wurde scheinbar im letzten Jahr zu Lasten anderer Bereiche vernachlässigt. So steigt zwar der BPI für den Handel um gut einen Punkt, der Einkauf verliert gleichzeitig aber fast zwei Punkte an Performance. Nur 29% der Elektronikgroßhändler geben an, keine Umsetzungsprobleme im Einkauf zu haben. Neben der Eigenmarkenentwicklung lokalisieren sich die Umsetzungsprobleme vor allem in der Bestandsoptimierung, der Auto-Disposition, dem Lieferantenmanagement und dem Management von Lieferantenverträgen. Die größte Diskrepanz zwischen Relevanz und tatsächlicher Umsetzung liegt beim Beschaf-fungsmanagement, d.h. der Erschließung neuer Lieferquellen. Dieses Problem steht im engen Zusammenhang mit der Eigenmarkenentwicklung. Neben der Etablierung einer Eigenmarke gestaltet sich zusätzlich die Beschaffung von Lieferanten für die Produkte schwierig.

Einzelhändler insgesamt im Einkauf besser aufgestellt als die Großhändler
Der BPI der Einzelhändler für den Bereich Einkauf liegt mit 70 Punkten mehr als 5 Punkte über dem der Großhändler – ein massiver Unterschied im Vergleich zu den anderen Unter-nehmensbereichen. Das gleiche gilt auch für die IT-Unterstützung, die maßgeblich zur Prozessperformance beiträgt, vor allem im Hinblick auf die Probleme des Großhandels bei Aufgaben wie der Drop Ship Integration oder der Auto-Disposition, die stark von der Unter-stützung durch moderne IT-Technik abhängig sind.

Welche Teilprozesse des Bereichs Einkauf in den Subbranchen des Handels besonders gut oder schlecht laufen, analysiert die nun vorliegende Fachbereichsstudie, die ab sofort auf der Projektseite http://www.business-performance-index.de zum Download bereit steht und zudem jedem Fachbereichsentscheider die Möglichkeit bietet, seinen Bereich mit vergleichbar aufgestellten Handelsunternehmen zu vergleichen.

An der repräsentativen Studie BPI Mittelstand Handel 2015 beteiligten sich über 300 mittelständische Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Studie wird unterstützt von marcom source, BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Microsoft und Swisscom IT Services, dem Bundesverband mittelständische Wirtschaft sowie weiteren Partnern aus der ITK-Branche.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.