Durch Kosteneinsparungen getrieben

Der Zwang zur Kostenersparnis beherrscht den Einkauf. Zwar dächten Einkäufer zunehmend darüber nach, wie sie über Produktdifferenzierung ihren Beitrag zur Wettbe-werbsfähigkeit steigern könnten, weiß Dr. Alexander Batran, Leiter der Einkaufs-Practice bei der h&z Unternehmensberatung, aber am Ende laufe es immer auf Kosteneinsparungen hinaus. Das bestätigen 65 Prozent der auf dem BME-Symposium Einkauf und Logistik befragten über 100 Unternehmen. Bei ihnen wird der Einkauf überwiegend oder vollständig über Kostenreduktionsziele gesteuert. Experten verwundert das nicht, schließlich werden teilweise über 75 Prozent der Wertschöpfung extern erbracht. Nur elf Prozent der Befragten sehen keine weiteren nennenswerten Möglichkeiten für Kostenreduktionen. „Klassische Ansätze sind häufig erschöpft. Der Einkauf muss andere Wege finden. Produktivitäts-steigerungen und technische Produktveränderungen stehen bei den Befragten im Vorder-grund“, bilanziert Agnes Erben, Partnerin bei h&z.

Mit Differenzierung gewinnen
Die Kosten sind nur eine Seite der Medaille. Die Wettbewerbsfähigkeit im Einkauf wird auch durch Differenzierung der zugekauften Produkte bestimmt. Die Identifikation von Innova-tionen müssten aus der Kreisklasse in die Champions League aufsteigen, fordert Ralf Schulz, Partner für Einkauf bei h&z. Das verlange nicht nur eine fundierte Kenntnis der Kostenstrukturen, sondern auch der Kundenbedürfnisse. Genau hier hapert es, wie die Kurz-Umfrage auf dem BME-Symposium zeigt. Nur knapp ein Viertel der Befragten sagt, dass der Einkauf die Kundenanforderungen und die Neuprodukt-Pipeline des Unter-nehmens vollständig kennt. Immerhin geben 77 Prozent an, dass sie zumindest teilweise über diese Kenntnis verfügen. Warum es wichtig ist, im Einkauf „innovativ zu denken“, zeigt das Beispiel Elektromobilität. Beim Verkauf von E-Autos zählt nicht allein der Preis. Ent-scheidend ist die Reichweite. Sie muss über das Gewicht der Bauteile reduziert werden. Um vor diesem Hintergrund im Einkauf einen unternehmerischen Mehrwert zu generieren, ist eine enge Zusammenarbeit mit den Lieferanten essenziell.

Obwohl die Innovationskraft seitens der Lieferanten eng mit einer verstärkten Differen-zierung verbunden ist, kennen nur 31 Prozent der befragten Unternehmen die innovativsten Lieferanten ihrer Supply Chain. Zumindest können 62 Prozent einzelne Innovationsbringer innerhalb ihrer Lieferkette benennen. Fast genauso unbekannt wie die Innovationsführer ist die Zufriedenheit der Lieferanten. Konsequente Lieferantenzufriedenheitsanalysen sind kaum systematisch verbreitet.

Um diese Herausforderungen meistern zu können, haben laut Umfrage viele Unternehmen nächstes Jahr vor allem die Gestaltung ihrer globalen Einkaufsorganisation auf der Agenda.

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