Keine Verknappung beim Brentöl in Sicht


Der Brentölpreis gab trotz einer rekordhohen Umsetzung der OPEC-Produktionskürzungen im ersten Quartal um 7 % nach und fiel im März sogar kurzzeitig unter 50 USD je Barrel. Die hohe Umsetzung der Produktionskürzungen war vor allem Saudi-Arabien zu verdanken, welches in den ersten beiden Monaten deutlich mehr kürzte als erforderlich und damit die Minderkürzungen anderer Länder kompensierte. Das eigentliche Ziel der Produktions-kürzungen, einen Abbau der rekordhohen Lagerbestände zu erwirken, wurde bislang nicht erreicht. Laut IEA-Monatsbericht stiegen die Ölvorräte in den OECD-Ländern im Januar sogar erstmals seit sechs Monaten wieder. Die im Februar und März weiter gestiegenen US-Rohöl-lagerbestände lassen einen fortgesetzten Lageraufbau erwarten.

Die US-Rohölimporte legten kräftig zu, was der These eines knapperen Angebots auf dem Weltmarkt ebenso widerspricht wie die bis zuletzt unverändert hohen OPEC-Lieferungen in den Öltankern auf den Weltmeeren. Auch die im Februar fast wieder auf Rekordniveau gestiegenen Ölimporte Chinas lassen Zweifel an einer knapperen Verfügbarkeit von Rohöl aufkommen. Von daher hat in der OPEC eine Debatte darüber eingesetzt, ob die Produktionskürzungen über Mitte des Jahres hinaus verlängert werden sollen. Erst dann würden die Produktionskürzungen ihre beabsichtigte Wirkung entfalten, den Ölmarkt ins Defizit zu drücken und die OECD-Lagerbestände, wie von der OPEC beabsichtigt, im Herbst auf den 5-Jahres-Durchschnitt zurückzuführen. Die Produktionskürzungen standen im März auf einem breiteren Fundament, was eine weiterhin hohe Umsetzung im zweiten Quartal wahrscheinlicher macht und die Chancen auf eine Verlängerung der Produktionskürzungen bis zum Jahresende erhöht.

Die Debatte um eine Verlängerung der Produktionskürzungen dürfte die Ölpreise bis zur nächsten OPEC-Sitzung Ende Mai unterstützen, so dass die Commerzbank den Brentölpreis im zweiten Quartal noch oberhalb von 50 USD je Barrel sieht. Da sich Russland und die meisten anderen Nicht-OPEC-Länder nicht mehr an einer Verlängerung beteiligen dürften, könnte die Einhaltung der Produktionskürzungen durch die einzelnen OPEC-Länder schnell bröckeln, weil diese um ihre Marktanteile fürchten. Dies gilt auch vor dem Hintergrund einer steigenden Ölproduktion in den USA. Dort deuten die Anzeichen auf eine starke Ausweitung der Ölproduktion hin. Die Bohraktivität ist im ersten Quartal 2017 laut Baker Hughes so stark gestiegen wie zuletzt vor fast sechs Jahren. Die OPEC verliert somit bei einer Verlängerung der Produktionskürzungen bis zum Jahresende Marktanteile an die US-Schieferöl-produzenten. Zwar dürfte Saudi-Arabien versuchen, den Kürzungsbeschluss noch so lange wie möglich aufrechtzuerhalten, da es im Vorfeld des geplanten Börsengangs seines Ölkonzerns Saudi Aramco im nächsten Jahr an einem stabilen Ölmarkt interessiert ist. Auf Dauer wird Saudi-Arabien aber nicht bereit sein, die Kürzungen im Alleingang mit Leben zu füllen. Wir halten daher an unserer Prognose fest, dass der Brentölpreis im Verlaufe des Jahres trotz der zu erwartenden Verlängerung der OPEC-Produktionskürzungen wieder unter Druck gerät und Ende 2017 unterhalb von 50 USD je Barrel fallen wird.

Grafik: Commerzbank Rohstoffpreisindex, 2. Quartal 2017: Volatilitäten im Zeitraum: 01.04.2016 – 31.03.2017, Quelle: Commerzbank

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