Die Logistikkonjunktur in Deutschland fasst weiter Tritt und setzt die Aufwärtsbewegung aus dem Vorquartal fort, allerdings in gemäßigtem Tempo. Das geht aus der jüngsten Erhebung (Maibefragung) zum Logistik-Indikator hervor, den das Institut für Weltwirtschaft im Auftrag der Bundesvereinigung Logistik e.V. (BLV) ermittelt. Der Gesamtklima in der Logistikwirtschaft verbesserte sich gegenüber dem Vorquartal leicht um 6 auf nunmehr 114,5 Zähler. Die Aufwärtsentwicklung stützt sich sowohl auf eine bessere Lageein-schätzung (diese war zuvor drei Quartale in Folge rückläufig) aus auch auf abermals optimistischere Erwartungen. Maßgeblich für die Verbesserung war die Klimaaufhellung bei den Logistikdienstleistern (Anstieg um 11,8 Indexpunkte), während die Einschätzung der Logistikkonjunktur in Industrie und Handel stagnierte. In der Folge liegen nunmehr die Klimawerte für beide Marktseiten praktisch gleichauf und gut 14 Punkte über der neutralen 100er-Marke. Sowohl bei den Anbietern als auch bei den Anwendern haben sich die Lage- und Erwartungskomponenten jeweils synchron entwickelt. Das verharrende, insgesamt aber weiterhin auf moderate Expansion hindeutende Geschäftsklima bei den Logistik-anwendern passt zu den bis zuletzt eher verhaltenen gesamtwirtschaftlichen Konjunktur-signalen, zu den die zyklisch stärker schwankenden Logistikdienstleister nun aufge-schlossen haben.
Mit Ausnahme der weiterhin im Mittel als normal eingeschätzten Kapazitätsauslastung haben sich auf der Anbieterseite alle Lagekomponenten deutlich verbessert. Besonders starke Impulse kamen von den Aufträgen für grenzüberschreitende Leistungen. Insgesamt zog die Lageeinschätzung um 10 auf jetzt 113,7 Zähler an. Bei den Erwartungen für die kommenden 12 Monate war die Verbesserung mit 13,5 auf 114,9 Punkte noch etwas ausgeprägter. Allerdings haben sich die verbesserten Geschäftsaussichten augen-scheinlich noch nicht so stark verfestigt, dass auch die Investitionspläne angehoben werden. Demgegenüber drehten die Beschäftigungsabsichten leicht ins Plus.
Bei den Logistikanwendern in Industrie und Handel blieb das Konjunkturbild in den letzten drei Monaten praktisch unverändert. Sowohl die Lagebeurteilung als auch die Erwartungen für die kommenden 12 Monate entsprechen mit Werten von 115,1 bzw. 114,6 Indexpunkten nahezu den Februarwerten. Die Kapazitätseinschätzung ist geringfügig gestiegen und damit weiterhin hoch; die Wahrnehmung der Kapazitätsverfügbarkeit im Markt spiegelt die Angaben, die die Anbieterseite über ihre eigene Kapazitätsauslastung machen, im laufenden Quartal perfekt wider.
Ähnlich einmütig wie die Konjunktureinschätzung fällt zwischen Anbieter- und Anwender-seite auch die Beurteilung über die Infrastruktur in Deutschland aus. Nur für 10 Prozent der Befragten spielt der Ausbau bzw. die Qualität der Infrastruktur keine Rolle; hingegen geben 57 Prozent der Logistikdienstleister und 43 Prozent der Logistiker in Industrie und Handel an, dass ihre Geschäftsentwicklung infrastrukturkritisch ist. Für die übrigen Unternehmen besteht zumindest eine teilweise Abhängigkeit. Verbesserte Perspektiven für den Infrastrukturausbau in Deutschland können nur 5 Prozent der Unternehmen ausmachen; etwa die Hälfte der Befragten sieht keinerlei Veränderungen und gut 40 Prozent erkennen sogar eine rückläufige Entwicklung. Dies korrespondiert zu der kürzlich vom Institut für Weltwirtschaft und dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) vorgelegten Projektion des öffentlichen Kapitalstocks in Deutschland, wonach dieser mittelfristig weiter schrumpfen dürfte. Eine stärkere Finanzierungsbeteiligung zugunsten einer besseren Infrastrukturqualität will die Mehrheit der Befragten zwar nicht. Immerhin sind aber 40,5 Prozent der Logistikdienstleister und 37 Prozent der Befragten aus Industrie und Handel hierzu bereit. Die Zahlungsbereitschaft dürfte umso größer sein, je infrastrukturkritischer die jeweiligen Geschäftsmodelle sind. Nutzerfinanzierungsmodelle (Ausweitung der Bemautung) wären geeignet, den Ausbau der Infrastruktur (Umfang, Verkehrsträger, Regionalverteilung) zielgerichtet über die Zahlungsbereitschaft der Logistikwirtschaft (und anderer Nutzer der Verkehrsnetze) zu steuern. Der Logistik-Indikator wird vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) an der Universität Kiel für die Bundesvereinigung Logistik e.V. (BVL) berechnet.

