Der März stand im Zeichen einer leichten Preiserholung am Kupfermarkt, die im Einklang mit einer festeren Preistendenz für Rohöl und andere Rohstoffe stand. Positiven Einfluss soll bei Kupfer der schwächere US-Dollar und eine optimistischere Sichtweise auf den chinesischen Immobilienmarkt gehabt haben. Die Zweifel hinsichtlich der Aufwärtsentwicklung sind jedoch nicht ausgeräumt, bei Öl und bei Kupfer, zumal der Preisanstieg des Metalls so gar nicht zu den starken Bestandszunahmen in chinesischen Lagerhäusern zu passen scheint.
Im Zuge der Erholung in den letzten Wochen ist der Rohstoffsektor erneut zu einer begehrten Asset-Klasse geworden. Hinsichtlich der fundamentalen Unterfütterung werden jedoch je nach Rohstoff Risiken gesehen, die in Produktions- und Lagerüberschüssen begründet sind. Trifft dies auch auf Kupfer zu? Die International Copper Study Group (ICSG) hat jüngst die vorläufige Kupferbilanz des Jahres 2015 veröffentlicht. Danach ist es zu einem Produktions-defizit von 57.000 t gekommen, das unter Berücksichtigung der Bestandsveränderungen in chinesischen Zolllagern sogar 167.000 t erreicht hat.
Für 2016 und 2017 wird ebenfalls ein weitgehend ausgeglichenes Verhältnis zwischen Produktion und Bedarf von raffiniertem Kupfer gesehen. Dabei dürfte eine schwache Produktionsentwicklung das geringe Wachstum in der Kupfernachfrage weitgehend kompensieren. Die chilenische Kupferkommission Cochilco sieht dabei Schwierigkeiten die künftige Nachfrage akkurat zu prognostizieren. Hinsichtlich China gehen die ICSG, aber auch CRU im Jahr 2016 nur von einem Bedarfswachstum von 0,4 bis 0,6 % aus. In dieser Hinsicht wirft die dortige Bestandsentwicklung Fragen auf. Immerhin lagerten in China bis vor kurzem 395.000 t raffiniertes Kupfer bei der SHFE und rund 500.000 t im Zolllager Shanghai.
Während die einen dies nur als Zeichen wirtschaftlicher Schwäche interpretieren, sehen andere die Sachlage differenzierter und geben zu bedenken, dass die Kupferbestände in China zur gleichen Zeit des Vorjahres in ihrer Gesamthöhe (Ende März 2015: SHFE 243.000 t, Zolllager Shanghai 610.000 t) auf einem durchaus vergleichbaren Niveau lagen. Zum einen sollen Mengen von der LME zur SHFE transferiert worden sein. Zum anderen weist die Financial Times vom 31. 03. in einem Artikel darauf hin, dass chinesische Hütten einge-gangene Börsenverkaufsverträge mit physischen Lieferungen bedient hätten.

