Sechs Stellhebel für digitales SCM

Die Digitalisierung verändert das Lieferkettenmanagement – doch was sind die wesentlichen Treiber und Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche Supply Chain im digitalen Zeitalter? Diese Frage steht im Zentrum einer aktuellen Studie der CAMELOT Management Consultants. Das Ergebnis: Sechs bewährte Verfahren sind die wesentlichen Stellschrauben für den Erfolg im Lieferkettenmanagement der Zukunft.

Supply-Chain-Verantwortliche aus vier unterschiedlichen Industriezweigen nahmen an der Studie „Quantum Leap in Supply Chain Performance“ teil. Sie alle waren sich einig darüber, dass digitale Ökosysteme und neue Marktanforderungen zu den bedeutendsten Veränderungen im Lieferkettenmanagement seit den 70er Jahren führen. Die Studie belegt, dass die Digitalisierung die Globalisierung als entscheidenden Treiber für Veränderungen im Supply Chain Management endgültig abgelöst hat. Dabei kommt das Ausmaß der Veränderungen – im positiven Sinne – einem Quantensprung gleich. Unternehmen müssen jetzt einen Weg finden, um diesen bevorstehenden Quantensprung erfolgreich für sich zu nutzen. CAMELOT hat in der Studie sechs Stellschrauben identifiziert, mit denen Industrieunternehmen ihr Supply Chain Management fit für die Digitalisierung machen können:

1. Individuelle Servicebündel zur Segmentierung und Differenzierung
Aufgrund kundenspezifischer Anforderungen und der damit verbundenen Integration neuer Serviceangebote wird die Komplexität der Lieferketten weiter zunehmen. Eine Möglichkeit, dieser Herausforderung zu begegnen, ist die individuelle Gestaltung von Supply Chains für einzelne, strategisch festgelegte Kunden-, Markt- oder Produktsegmente. Eine effiziente Digitalisierung wird durch die Selektion einzelner Servicebausteine aus einem vordefinierten Katalog ermöglicht.

2. Betriebsmodell überdenken
Mit dem Ziel, die Strategie effizient zu unterstützen, sollten für jedes Business-Segment maßgeschneiderte Betriebsmodelle entwickelt werden. Struktur, Organisation und Versorgungsnetzwerke müssen auf das jeweilige Betriebsmodell ausgerichtet sein. Mit einem flexiblen Modell haben Unternehmen die Möglichkeit, verschiedene Service-Bündel zu bedienen.

3. DDMRP für höhere Planungssicherheit
Robustere, verlässlichere und stärker automatisierte Supply-Chain-Planungs- und Ausführungsprozesse sind Voraussetzung, um das Potential digitalisierter Geschäftsprozesse voll ausschöpfen zu können. „Demand-Driven Material Requirements Planning (DDMRP)” ist ein neuer Ansatz, mit dem sich dieses Ziel realisieren lässt. Im Gegensatz zu traditionellen Planungssystemen werden hierbei Produktionsaufträge und Bestellungen nicht auf Basis von unsicheren Bedarfsprognosen getätigt. Vielmehr wird die Lieferkette mithilfe strategischer Lagerungspunkte entkoppelt und entsprechend der tatsächlichen Kundennachfrage ausgerichtet. Damit lässt sich die Variabilität in einer Supply Chain deutlich verringern und der Materialfluss stabil halten. Kosten- und kapazitätsintensive Korrekturmaßnahmen zur Sicherung der Servicequalität werden durch diese Form der Pull-Steuerung umgangen.

4. Verknüpfung von Datenanalysen, Prozessen und Anlagen zur vertikalen Integration
Der Schlüsselfaktor für ein neues Maß an Datengenauigkeit und Prozesseffizienz ist die vertikale Integration aller Prozessebenen einer Supply Chain. Mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) lässt sich die Genauigkeit erhöhen und zwar bei gleichzeitig reduziertem Zeit- und Kostenaufwand. Ein Praxisbeispiel aus der High-Tech-Branche belegt, dass dieses Vorgehen eine Erhöhung der Automatisierung um mehr als 20 Prozent und Bestandreduzierungen im Umfang von 10 Prozent ermöglicht – bei einer Verbesserung der Lieferfähigkeit um bemerkenswerte 5 Prozent.

5. Engpässen mit Kooperationsplattformen begegnen
In letzter Zeit macht sich ein deutlicher Outsourcing-Trend im Logistikbereich bemerkbar. Grund dafür sind zunehmende Engpässe, steigende Fokussierung auf Nachhaltigkeit sowie die Herausforderungen und Bemühungen bei der Digitalisierung der Logistik. Kooperationsplattformen und eine neue Generation von Transport-Management-Lösungen sorgen für eine vollständige Automatisierung von Prozessen sowie für eine schnellere und flexible Anbindung an Logistik-Service-Provider.

6. Schnell entscheiden mit dem Supply-Chain-Flugradar
Eine rasche Entscheidungsfindung ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor in volatilen Umgebungen. Voraussetzung dafür ist eine nahezu Echtzeit-Transparenz über sämtliche Vorgänge innerhalb und außerhalb des Unternehmens. Integrierte Lösungen ermöglichen diese Transparenz, indem sie den Informationsfluss zwischen allen internen und externen Beteiligten erleichtern und die gesamte Wertschöpfungskette durchgängig für Planungs- und Ausführungsprozesse abbilden.

Welche der vorgestellten Methoden die Unternehmen auch für sich nutzen wollen, eines steht fest: Vor dem Hintergrund der Digitalisierung besteht akuter Handlungsbedarf. Die in der Studie genannten Praktiken sind Benchmark und Orientierungshilfe zugleich.

von Jörg Schmid, Principal, CAMELOT Management Consultants

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