Thesen und Trends im Einkauf 2015

Die Einkaufsabteilungen deutscher Unternehmen stehen 2015 vor großen Heraus-forderungen. Sie können zum Jahreswechsel nicht genau einschätzen, ob die deutsche Konjunktur nur schwächelt oder doch in eine Rezession abgleitet. Unklar ist auch, wann die Rohstoffpreise wieder anziehen. Sollten insbesondere die strategischen Metalle eine Rally einlegen, dürfte der Ruf nach dem Einkauf als Kostendämpfer in den Firmen wieder lauter werden.

Der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) hat die wichtigsten Beschaffungstrends zusammengetragen:

Wirtschaft in schwierigem Fahrwasser
Der Aufschwung hat 2014 deutlich an Schwung eingebüßt, insbesondere der Industrie-motor verlor zuletzt an Drehmoment. Angesichts der sich nur zögerlich erholenden Welt-wirtschaft dürfte die deutsche Konjunktur auch im nächsten Jahr nur verhalten zulegen. So meldeten sich im Oktober zwar weniger Jobsuchende arbeitslos als in den vergangenen Jahren; und auch die Zahl der Erwerbstätigen nimmt weiter kräftig zu, was wiederum dem Fiskus 2014 Steuereinnahmen von fast 640 Milliarden Euro bringen dürfte. Allerdings schrauben gleichzeitig immer mehr Unternehmen ihre Geschäftserwartungen deutlich zurück. Dadurch erlebt insbesondere die gerade wieder langsam anspringende Investi-tionstätigkeit einen Rückschlag.

Rohstoffpreise weiter im Sinkflug
Das Rohstoffjahr 2014 war geprägt durch die Angst der Marktteilnehmer vor eskalierenden geopolitischen Krisen. Anders als in der Vergangenheit führten die jüngsten Spannungen in Russland, der Ukraine oder dem Nahen Osten allerdings nicht zu Preisexplosionen. Auch starke Kursschwankungen an den internationalen Börsen blieben aus. Bestes Beispiel dafür ist Rohöl, das sich sogar deutlich verbilligte. Doch Vorsicht: „Die meisten Rohstoffpreise legten in den vergangenen Wochen zwar den Rückwärtsgang ein. Dennoch sollten Einkäufer in ihre Beschaffungsstrategie für 2015 die Möglichkeit wieder steigender Preise einkalkulieren. Denn die nächste Rally kommt bestimmt“, sagt BME-Hauptge-schäftsführer Dr. Christoph Feldmann. Angesichts wachsender internationaler Span-nungen und einer nicht störungsfrei funktionierenden Weltwirtschaft ist 2015 mit Markt-volatilitäten zu rechnen. Auch diese Option sollten Einkäufer im Rahmen ihres Risiko-managements berücksichtigen.

Optimierung der Einkaufsprozesse
Der Einkauf muss seinen Beitrag leisten, um Konjunkturschwankungen aufzufangen. Er hat dabei vor allem die Kostenstrukturen im Auge zu behalten. Ein weiterer Trend: Die Ein-kaufschefs richten ihr Augenmerk zunehmend auf die Standardisierung und Digitalisierung ihrer Einkaufsprozesse. Ebenso wichtig: Beschaffungsaktivitäten orientieren sich immer stärker an Total Cost of Ownership; das heißt: ganzheitliche Kostenbetrachtung der Beschaffung statt starrer Fixierung auf den Einkaufspreis! Einkauf, Produktion und Vertrieb müssen hier in einem Boot sitzen. Konsequenterweise bauen immer mehr Einkaufsorgani-sationen ihre Kompetenz in der Wert- und Kostenanalyse aus.

Globale Megatrends fordern Unternehmen heraus
„Globale Megatrends stellen die Unternehmen vor neue Herausforderungen. Auch der Einkauf muss darauf die passenden Antworten finden“, fordert der BME-Vorstandsvor-sitzende Horst Wiedmann. So finde das weltweite Wachstum künftig vor allem in Asien und Amerika statt. Man müsse darauf durch den Ausbau der globalen Präsenz und mit globalen Lieferantenstrategien reagieren. Demographische Veränderungen und der zunehmende Anteil älterer Menschen forderten eine veränderte Personalpolitik. Nachhaltigkeit, Klima-wandel und effiziente Nutzung der Energieressourcen bedeuten eine neue technologische Ausrichtung.

Immer konkreter wird der Go-local-Trend im globalen Einkauf: vom Low Cost Country Sourcing zum Best Cost Country Sourcing. Die Umwandlung des standortbezogen agierenden Einkaufs in eine globale Einkaufsorganisation ist vielerorts in vollem Gange. Und wo es wirtschaftlich sinnvoll ist, wird lokal beschafft, entweder mit Lieferanten vor Ort oder mit globalen Suppliern, die ihre Fertigung in unmittelbarer Nähe zum eigenen Werk aufbauen. Local Sourcing, Local for Local und Local Content sind die Buzzwords des Einkaufs.

Ein weiterer Trend: Aufgrund sich ändernder Wechselkurse steht der Ausbau der Lieferantenbasis in Asien und – zunehmend auch – in Osteuropa auf dem Programm der Einkaufsmanager. Ein stärker differenziertes Lieferantenmanagement soll die frühe Einbindung von ausgesuchten leistungsstarken und innovativen Lieferanten in die Produktentstehung forcieren.

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