Weiterbildungsbudgets effizienter einsetzen

Mit 3,25 Weiterbildungstagen liegen Einkäufer deutlich über dem durchschnittlichen Wert von 2,5 Tagen für Angestellte in Deutschland. Einkaufsleiter bilden sich dabei fast vier Tage jährlich weiter, strategische Einkäufer an 3,5 Arbeitstagen. Im fachlichen Weiterbildungsfokus stehen vor allem Kosten- und Wertanalysen sowie Verhandlungsführung. Primäre Trainings-felder im überfachlichen Bereich sind strategisches Denken und Konfliktmanagement. Doch: Rund die Hälfte der Einkaufschefs ist mit den Weiterbildungsergebnissen nicht zufrieden. Das ist das Ergebnis des Personalbarometers 2015 des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) und der auf Personal- und Change-Management spezialisierten Unternehmensberatung Penning Consulting.

„Die Qualität der Einkaufsmannschaft hat sich in den vergangenen Jahren über alle Branchen hinweg deutlich entwickelt“, sagt Stephan Penning, Studienleiter und Geschäftsführer von Penning Consulting. „Und so sehen die von uns befragten Einkaufsleiter in den grundlegen-den Fachkompetenzen wie Warengruppen- und Lieferantenmanagement für strategische Einkäufer kaum noch Trainingsbedarf.“ Deutliches Lernfeld für viele Einkäufer sind jedoch Kosten- und Wertanalysen, in denen Produkte in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und Stück für Stück preislich bewertet werden. Das haben fast 40 Prozent der Befragten angegeben. Trainieren wollen zudem mehr als ein Drittel der Einkaufschefs ihre Mannschaften in professioneller Verhandlungsführung, einem ganzheitlichen Kostendenken („Total Cost of Ownership“, kurz: TCO) und Vertragsmanagement. Stephan Penning sagt: „Der Druck auf den Einkauf, den bestmöglichen Preis bei optimaler Qualität zu erzielen, ist weiter gestiegen. Viele Einkäufer haben die dazu notwendigen Techniken wie Kostenanalytik und ausgeprägtes TCO-Denken noch nicht erlernt. Darum ist der Trainingsbedarf in diesen Bereichen besonders hoch.“

Um die komplexen Zusammenhänge zu begreifen, bedarf es vor allem eines strategischen Verständnisses. Und so will fast die Hälfte der Befragten (46 Prozent) das strategische Denken ihrer Einkäufer trainieren, 41 Prozent wollen ihre Leute im Konfliktmanagement schulen. Besonders interessant: Jeder vierte Einkaufschef (27 Prozent) will die emotionale Intelligenz von strategischen und fachlichen Einkäufern verbessern. „Strategisches und technisches Know-how ist essentiell, aber ohne ausgeprägte Sozialkompetenzen geht es auch für Einkäufer nicht mehr weiter“, sagt Stephan Penning. „Je anstrengender die Verhandlungen werden, desto wichtiger ist es, dass die Beteiligten einen kühlen Kopf bewahren: um am Ende die Ansprüche durchsetzen zu können. Gefragt sind heute Einkäufer, die es verstehen, nicht nur auf die logische Argumentation ihres Gegenübers, sondern auf seine vollständige Persönlichkeit einzugehen.“

Dass all dies enormer Zeit bedarf, haben die deutschen Unternehmen erkannt. 55 Prozent der Unternehmen verfügen über ein ausgewiesenes Qualifizierungsbudget. Pro Einkäufer stehen durchschnittlich 2.193€ pro Jahr zur individuellen Weiterbildung zur Verfügung. Und Einkäufern wird deutlich mehr Schulungszeit zugestanden als es der durchschnittliche Mitarbeiter in Deutschland erhält (2,5 Tage). Einkaufschefs bilden sich jährlich rund vier Tage weiter, 18 Prozent der Leitungsebene sogar mehr als sechs Tage. Strategische Einkäufer kommen auf einen Wert von 3,5 Tagen, in mehr als einem Drittel der Fälle sind es mehr als vier Tage. Operative Einkäufer liegen bei 3,1 Tagen.

Individuelle Förderprogramme führen zu echter Steigerung der Produktivität
„Kritischer Erfolgsfaktor für Weiterbildungen ist es, wie Budget und Zeit eingesetzt werden“, sagt Stephan Penning. „Für erfolgreiche Trainings ist relevant, dass sie unmittelbaren Business-Bezug herstellen, Methoden und Modelle nicht im Allgemeinen sondern unmittelbar am individuellen Beispiel aus dem Arbeitsalltag der Teilnehmer besprechen und unmittelbaren Transfer vom Training in die Realität sicherstellen. Dazu bedarf es neben der eigentlichen Schulungen strukturierter Überprüfungen, wie sich die tägliche Arbeit durch die jeweilige Weiterbildungsmaßnahme verändert hat. Nur so lassen sich Weiterbildungen auch als nachhaltige Investitionen rechtfertigen.“ Dies gelingt aktuell nur knapp der Hälfte der befragten Unternehmen: 56 Prozent der Einkaufsleiter haben angegeben, dass Gelerntes im Alltag nicht umgesetzt werde und 42 Prozent beklagen, dass im Alltag die Zeit für die Umsetzung fehle.

„Lernfelder zu identifizieren ist der erste richtige Schritt, um seine Einkaufs-Mannschaft weiter zu entwickeln“, sagt Stephan Penning. „In unserer Praxis erleben wir häufig: Ist dies geschehen, werden unterschiedliche Weiterbildungsanbieter kontaktiert und es werden Seminare gebucht, bis das Budget aufgebraucht ist. Unabhängig von der Qualität der einzelnen Maßnahmen: In vielen Fällen fehlt es an einem didaktischen Konzept und einer Abstimmung der jeweiligen Inhalte und Trainer aufeinander. Das erschwert einen Transfer aus dem Schulungsraum hinein ins Geschäftsleben deutlich. Einzelmaßnahmen mögen helfen, grundlegende Trends näher zu verstehen. Echte Produktivitätssteigerung ist jedoch nur bei individuell auf den einzelnen Mitarbeiter zugeschnittenen Programmen zu erwarten. Dazu müssen sich Führungskräfte künftig stärker als Talent-Manager verstehen, die Stärken und Schwächen fachlich wie überfachlich ihrer Mitarbeiter analysieren. Und auf dieser Grundlage gemeinsam mit ihnen einen langfristigen Entwicklungsplan aufstellen.“

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