Automotive Zulieferer bleiben unter sich

Die Innovationswelle hat die Automotive Zulieferer voll erfasst. Was dabei auf den ersten Blick überrascht: Das notwendige Know-how für die digitale Herausforderung entwickeln sie eher intern und setzen nur begrenzt auf Akquisen von Digitalspezialisten. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse einer Erhebung von JDA Software, dem führenden Anbieter von Lösungen für die Bereiche Supply Chain, Produktionsplanung, Einzelhandel, operatives Ladengeschäft und kollaboratives Category Management.

Das Ergebnis der Untersuchung überrascht auf den ersten Blick. Bekannte Beispiele wie der Kauf von Elektrobit durch Continental oder den Bieterwettbewerb um den Kartendienst Here, bei dem nun auch Bosch und Continental eine Mitarbeit erwägen, prägen das mediale Erscheinungsbild. Doch bei den Top 20 der deutschen Zulieferer sind unter den 29 relevanten Übernahmen der letzten zweieinhalb Jahre nur fünf Akquisitionen von Digitalspezialisten zu finden.

Hans Georg Kaltenbrunner, Vice Präsident Industry Strategies bei JDA, sieht das Vertrauen in die eigene Innovationskraft und die deutsche Ingenieurskunst als einen entscheidenden Grund für das Ergebnis. „Die deutschen Automobilzulieferer glauben an sich und nehmen das Zepter selbst in die Hand. Der Innovationsdruck auf die Zulieferer wird weiter zunehmen, daher sind die Unternehmen in der Pflicht, eine umfassende Digitalisierungsstrategie zu erarbeiten und mit der Umsetzung zu beginnen. Sonst können Zulieferer wie Hersteller künftig nicht mit neuen potenziellen Playern wie Google oder Apple mithalten.“

Die deutschen Zulieferer lösen das Problem selbst
Bis auf Continental, Bosch und ZF Friedrichshafen haben alle weiteren Automotive Zulieferer auf Akquisitionen von Digitalspezialisten verzichtet. Von den getätigten Übernahmen fallen allein drei in das Jahr 2015. „Das ist ein Anzeichen für einen Trend, aber keinen Run“, so Kaltenbrunner weiter.

Ob Knorr-Bremse, Hella oder KSPG – die deutschen Zulieferer intensivieren ihre Zusammen-arbeit. Sie bündeln ihre Kapazitäten sowie ihr Spezialwissen, um den Digitalisierungsheraus-forderungen zu begegnen. Gleichzeitig treiben sie die Entwicklung im eigenen Haus voran. Die Antwort der deutschen Zulieferer auf Fragen der Digitalisierung lautet: Wissen bündeln und in die eigene Entwicklung investieren.

Neue Projekte stehen auf der Agenda
Die Anzahl von Projekten in den Bereichen S&OP und Integrierte Planung, mit denen die Unternehmen nicht nur ihre Lieferkettenprozesse komplett neu aufstellen, steigt. Es entsteht ein neues, abteilungs- und konzernübergreifendes Planungs-, Reporting- und Management-system. „Man muss aber realistisch sein: Längst noch nicht alle Zulieferer haben mit diesem Wandel schon begonnen. Und die, die angefangen haben, sind oft erst auf den ersten Stufen angelangt“, erklärt Hans-Georg Kaltenbrunner.

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