Hand in Hand der Umstrukturierung entgegen

14. Juni 2018 · Indirekter Einkauf, Personal, Unternehmen ·  

Der Leitgedanke von Unternehmensberatungen ist das Vorhaben, Prozesse und Strukturen anderer Unternehmen durch Kosten- und Zeiteinsparungen effektiver zu gestalten. Trotz des Bestrebens der Unternehmensberatungen, ihre Kunden bei der Bewältigung unter-nehmerischer Herausforderungen zu unterstützen, haben diese nicht bei allen einen guten Ruf. Ohne Rücksicht auf Unternehmensstrukturen nur das schnelle Geld machen zu wollen und ohne Skrupel und Empathie langjährige Mitarbeiter im Rahmen von Restrukturierungs-maßnahmen zu entlassen, sind Hauptkritikpunkte der Skeptiker und leidige Erfahrungen zahlreicher Betriebsräte. Die Unternehmensberatung 3 Perspektiven GmbH hingegen betrachtet die Aufarbeitung betriebswirtschaftlicher Problemstellungen immer aus menschlicher, organisatorischer und technischer Perspektive – und überzeugt mit deutlichem Erfolg auch anfängliche Kritiker.

Das Eisenacher Unternehmen 3 Perspektiven arbeitet seit 2015 mit Arzneimittelhersteller Bionorica SE zusammen. Das Pilotprojekt, der Aufbau eines Unternehmenswikis, erhielt den Preis CIO des Jahres 2015 in der Kategorie Mittelstand. Die Zusammenarbeit beider Unternehmen ist seitdem einvernehmlich positiv. Als Dienstleister analysiert 3 Perspektiven bei seinem Kunden Bionorica sukzessive alle Abteilungen, auch solche, in denen es im Vorfeld Probleme gibt, die Ursachen hierfür aber weitgehend unklar oder schlicht nicht greifbar. Hierbei werden auf der einen Seite natürlich harte Fakten betrachtet, wie der Aufbau der Arbeitsprozesse, Auslastungen der Mitarbeiter, Leadership und Personalmanagement sowie organisatorische Strukturen. Auf der anderen Seite legt man großen Wert auf die menschliche Komponente: Anhand von verschiedenen Interviews werden Erfahrungen, Kenntnisse, Ängste sowie Optimierungsansätze jedes einzelnen betroffenen Mitarbeiters erfragt und dokumentiert.

Durch intensive Einbeziehung der Mitarbeiter „werden Betroffene zu Beteiligten gemacht“, so Geschäftsführer Christian Graubner. „Wir wollen gemeinsam Lösungen finden. Wir suchen nach Ursachen, ohne Schuldzuweisung. Was unter vier Augen besprochen wird, bleibt unter vier Augen. Informationen werden nur nach Rücksprache bzw. anonymisiert weitergegeben. Unsere Berater sind Menschenfreunde, die das Interesse haben, für alle Mitarbeiter gute Lösungen zu finden“, so Graubner weiter. Trotz dieses Bottom-up Ansatzes beachtet das Unternehmen auch Top-down die Interessen des Vorstands für einen ganzheitlichen Lösungsweg. Bei der Erstellung der Konzepte und empfohlenen Maßnahmen bringt 3 Perspektiven die Interessen seiner Kunden und die der Mitarbeiter zusammen.

Durch scharfe Restrukturierungen werden Beraterfirmen oft als natürliche Feinde des Betriebsrats gesehen. Genau da setzt 3 Perspektiven an und nimmt eine mediatorische Rolle zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung ein.

Enge Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat
Dem Projekt mit 3 Perspektiven begegnete Bionoricas Betriebsrat mit anfänglicher Skepsis, wie die stellv. Betriebsratsvorsitzende Nicole Machens erzählt. „Unternehmensberatungen sind oftmals stark darauf fokussiert, Gelder einzusparen und Personalkosten zu senken, dabei müsste vor dem Hintergrund unseres Wachstums eigentlich Personal aufgestockt werden“, äußert sich Nicole Machens.

Die ersten Bedenken wurden allerdings durch Transparenz, Offenheit und Ehrlichkeit schnell aus dem Weg geräumt. Dem Team um Christian Graubner ist es wichtig, die richtigen Schlüsse für seine Kunden zu ziehen. Dies ist nur möglich, indem alle Komponenten berücksichtigt werden, nicht nur die Prozess- oder IT-Ebene isoliert. Der wichtigste Anspruch des Thüringer Unternehmens ist, dass Verbesserungen nicht auf Kosten von Menschen stattfinden. Wenn harte Maßnahmen allerdings nötig sind, dann müssen diese auch getroffen und vertreten werden. Wichtig ist Geschäftsführer Christian Graubner, dass Wahrheiten ausgesprochen werden.

Bei Nicole Machens traf dies auf Zustimmung: „Wir schätzen an der Zusammenarbeit sehr, dass wir offen miteinander kommunizieren konnten, und bei Rückfragen jederzeit Erklärungen bekommen haben. Über die Art und Weise des Wissens- und Prozessmanagements haben wir es geschafft, dass sich die wahren Probleme herauskristallisieren. Es wurden keine Leute entlassen, sondern alle Umstrukturierungsmaßnahmen wurden mit Fingerspitzengefühl so geplant, dass niemand auf der Strecke blieb. Als Arbeitnehmervertretung wollen wir unsere Mitarbeiter schützen, aber wenn andere Maßnahmen sinnvoller sind, müssen wir die Hintergründe dafür kennen.“

Und was hat sich außerdem verändert?
Viele Mitarbeiter scheuen den Weg zum Betriebsrat, aus Angst, dass Beschwerden nur dann Gehör finden, wenn ein direkter Rückfluss stattfinden kann. Die Interessen der Mitarbeiter auf Basis von fundierten Hintergrundinformationen beim Vorstand zu vertreten, gestaltet sich dadurch oftmals schwierig. In vielen Fällen führt dies zu verhärteten Fronten zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat. Hinzu kommen nicht selten eine Betriebsblindheit und der Mangel an analytischen Hintergründen, die das Tagesgeschäft nicht immer erlaubt. Indem 3 Perspektiven die Interessen beider Parteien in seinen Lösungen berücksichtigt, nähern sich Vorstand und Betriebsrat wieder an. Es wird offen vermittelt. Mitarbeiter sowie Vorgesetzte werden in ihren Aussagen geschützt, um sicherzustellen, dass niemand kompromittiert wird. „Wir wollen nicht wegrationalisieren, sondern sorgen dafür, dass Abteilungen und Teams wieder effizient zusammenarbeiten“, betont Geschäftsführer Christian Graubner. Bionoricas Betriebsratvorsitzender, Erwin Hoefler, erzählt außerdem, dass sich das Verhältnis zwischen Vorstand und Betriebsrat durch das Projekt weiter verbessert habe. Darüber hinaus merke er ganz klar, dass Mitarbeiter dem Betriebsrat offener und zuversichtlicher gegenübertreten. Das Vertrauen in die Diskretion der Mitarbeitervertretung sei weiter gestärkt worden.

von Katharina Bieschke, Journalistin

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