Logistik: Die Lage ist besser als die Stimmung

Der Geschäftsklimaindikator der deutschen Logistikwirtschaft ist im Mai wieder gefallen, nachdem in den vorangegangenen zwei Monaten eine leichte Erholung festzustellen war. Dies geht aus den monatlichen Erhebungen zum Logistik-Indikator hervor, die das ifo Institut im Auftrag der Bundesvereinigung Logistik e.V. (BVL) im Rahmen seiner Konjunkturumfragen durchführt. Zwar verbesserten sich die Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate zum dritten Mal in Folge, jedoch überwogen weiterhin von Skepsis geprägte Meldungen.

Die Urteile zur aktuellen Geschäftssituation fielen hingegen den dritten Monat in Folge weniger günstig aus – mit 109,7 Punkten sank der Indikator auf den niedrigsten Wert seit Dezember 2016. Der Situation entsprechend fallen die Planungen zum Beschäftigungsaufbau zunehmend vorsichtig aus. Darüber hinaus erwartet ein sinkender Anteil der befragten Firmen, dass sie ihre Preise in naher Zukunft anheben werden. Den offiziellen Zahlen zufolge wuchs die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal mit 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal spürbar, nachdem sie im Vorquartal noch stagnierte. Allerdings dürften vorübergehende Faktoren, die zu einer kräftigen Ausweitung der privaten Konsumausgaben führten, eine weiterhin schwache konjunkturelle Grundtendenz überzeichnen. Dazu beigetragen haben vor allem spürbare Abgabenentlastungen zu Jahresbeginn und eine Normalisierung bei den Pkw-Absätzen, die im Schlussquartal 2018 nach der Umstellung auf das neue WLTP-Messverfahren geradezu einbrachen. Hingegen schrumpfte die Wertschöpfung im exportorientierten Verarbeitenden Gewerbe das dritte Quartal in Folge. Der von den USA ausgehende Handelskonflikt und der anstehende Brexit belasten die Industriekonjunktur weltweit.

Die Geschäftssituation der Logistikdienstleister wurde im Mai weniger positiv beurteilt. Der Indikator war mit 106,9 Punkten so niedrig wie seit Februar 2017 nicht mehr. Gleichzeitig keimte leichter Optimismus mit Blick auf die Entwicklungen in den kommenden sechs Monaten auf – im Februar und März überwogen noch pessimistische Einschätzungen. Das Geschäftsklima verschlechterte sich im Mai etwas, so dass der Indikator weit unter seinem Vorjahreswert markierte. Nur eine kleine Anzahl der befragten Firmen gab an, dass sich der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr erhöht hat. Den Angaben zufolge wird der Auftragsbestand per saldo als eher klein eingestuft und der Personalbestand musste bereits verkleinert werden. Mit Blick auf die Umsatzentwicklung in den kommenden drei Monaten zeigten sich die Unternehmenschefs jedoch weiterhin zuversichtlich. Dennoch wurden die expansiven Personalpläne weiter zurückgefahren. Auch wurde seltener die Chance gesehen höhere Preise für die angebotenen Dienstleistungen am Markt durchzusetzen.

Im Mai blickten die befragten Firmen des Bereichs Logistikanwender aus Handel und Industrie nach wie vor mit Skepsis auf die Entwicklungen in den kommenden sechs Monaten. Gleichzeitig wurde die Geschäftslage weiterhin als gut eingestuft – der entsprechende Indikator fiel jedoch auf 112,7 Punkte und somit auf den niedrigsten Wert seit knapp drei Jahren. Das Geschäftsklima verschlechterte sich nun bereits den neunten Monat in Folge und unterbot den langfristigen Mittelwert erneut. Die Personalpläne lassen anstehende Entlassungen erwarten. Die Preise dürften dennoch angehoben werden, wenn auch nicht mehr so verbreitet wie im Vorjahr. Aus den weiter anwachsenden Lagerbeständen lässt sich eine nachlassende Nachfrage ableiten. Dennoch konnte das Verarbeitende Gewerbe den offiziellen Zahlen zufolge im ersten Quartal insbesondere die Exporte in Länder innerhalb der EU kräftig ausweiten. Dazu haben allerdings vor allem Warenverkäufe nach Großbritannien beigetragen, die aufgrund des zunächst für Ende März erwarteten Brexits vorgezogen wurden. Insgesamt sind die Exporterwartungen der deutschen Industrie auf den tiefsten Stand seit 2012 gefallen.

Bild: Logistikindikator 2. Quartal: Die Lage ist besser als die Stimmung; Quelle: Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V.

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