Die rund 2000 Mitarbeiter der VGF sorgen dafür, dass pro Jahr etwa 170 Millionen Fahr-gäste im Großraum Frankfurt schnell und sicher von A nach B befördert werden. „Nicht auszudenken, wenn die Räder stillstehen würden“, erklärte Hartmut Zwilling, Fachbereichs-leiter Einkauf und Materialwirtschaft bei der Verkehrsgesellschaft. Eine Führung durch die Lager und Werkstätten der Stadtbahn für die BME rmr-Mitglieder zeigte eindrucksvoll, wie groß der Aufwand „hinter den Kulissen“ ist, wie man regional erfolgreich einkauft und damit sowohl hochmoderne Schienenfahrzeuge als auch den Ebbelwei-Express am Rollen hält.
„Qualität und Engagement spielen eine große Rolle beim ‚Local Sourcing‘. Die Werkstätten der VGF brauchen gute Partner in ihrer Nähe, anders wäre der Betrieb kaum möglich“, erklärte Hans-Jürgen Eicke. 140 Monteure arbeiten derzeit vor Ort auf einer Fläche von rund 24.000 Quadratmetern für die Verkehrsgesellschaft. Zum 1. August wird in einen Zwei-Schichten-Betrieb gewechselt.
Abgefahren: Werkshallen, so groß wie Fußballfelder
In den insgesamt vier Lagern werden rund 9.000 Artikel bewirtschaftet. Keine einfache Aufgabe für die Lagerlogistik, denn über die wirtschaftliche Effizienz hinaus sind auch unterschiedlichste Fahrzeugtypen getrennt voneinander zu berücksichtigen, erklärte Gerd Stey, Sachgebietsleiter Vorratswirtschaft. „Hier durchlaufen die Fahrzeuge unsere Werkstatt“, erklärte Ralf Hamacher, Leiter der Stadtbahn-Zentralwerkstatt, beim Betreten einer Halle. Unter anderem verfügt sie über zwei Gleise zur Unfall-Instandsetzung, jeweils acht Gleise für Fahrzeugumbauten sowie zur Instandsetzung und Wartung und vier Gleise zur Fahrzeuglackierung. Die Dokumentationen, etwa beim Ebbelwei-Express von 1952, seien nicht immer optimal, so Hamacher. Oftmals dokumentierten die Mitarbeiter der VGF den Standard daher aufwendig in Eigenregie.
Frankfurt und Offenbach – bei der VGF passt das
„Der Einkauf bei der VGF ist unter anderem zuständig für die Infrastruktur mit allen Notwendigkeiten. Dazu gehört nicht nur der Gleisbau, sondern beispielsweise auch Bau- und Architektenleistungen“, berichtete Einkaufsleiter Zwilling. Das Einkaufsvolumen betrage durchschnittlich 150 Mio. Euro pro Jahr – ohne Großprojekte. Mit dem Europaviertel, dem neuen Stadtteil „Frankfurter Bogen“ und der Beschaffung von Schienenfahrzeugen könne es jedoch „ganz schnell“ auch mal auf 600 oder 700 Mio. Euro anwachsen. Eine Vielzahl an weiteren Aufgaben ist ebenfalls in seiner Einkaufsabteilung angesiedelt. So werde dort unter anderem der Einkauf für die Stadtwerke Holding ebenso betreut wie die Offenbacher Verkehrsbetriebe, für die die VGF als Einkaufsdienstleister fungiert.
Karsten Budig von der Stabsstelle Strategie Einkauf lenkte den Blick abschließend noch einmal detaillierter auf die Rhein-Main-Region und das lokale Sourcing des Unter-nehmens. Am Beispiel des Ersatzteil-Einkaufs zeigte er, dass rund die Hälfte der Lieferanten aus dem lokalen Umfeld kommt. Dass das Volumen dagegen nur 32 Prozent betrage, liegt an den Eigenheiten der Branche. Für viele Spezialteile und Schienenliefer-anten gebe es keine Alternativen in Hessen, so dass große Bestellungen oftmals außerhalb von Hessen getätigt werden. Beim Gesamteinkauf der VGF zeige sich ein ähnliches Bild, so Budig weiter. Rund 53 Prozent der Lieferanten stammten hier aus dem Rhein-Main-Gebiet. Bei den Stofftaschen, die jeder Besucher mit nach Hause nehmen durfte, schloss sich der Kreis. „Die haben wir mit unserer E-Procurement-Plattform bestellt“, berichtete Zwilling. Über die elektronische Schiene wird vor allem der kleinteilige Bereich mit derzeit 22 Lieferanten abgedeckt.

