Offenlegung von Informationen zur Lieferkette

Im September 2014 hat der Rat der Europäischen Union eine neue Richtlinie über die Offenlegung nichtfinanzieller und die Diversität betreffender Informationen angenommen. Ab 2017 sind in der EU ansässige Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten verpflichtet, in ihrem Geschäftsbericht auch zu den Punkten Umwelt, Soziales und Arbeitnehmerbelange Stellung zu nehmen. Wie wird sich die neue Richtlinie auf Nachhaltigkeit und Effizienz in der Lieferkette auswirken?

Bereits heute bestehen in einigen EU-Staaten Gesetze zur sozialen Verantwortung von Unternehmen und die meisten großen Unternehmen berichten schon über ihren Umwelt-fußabdruck, ihr gesellschaftliches Engagement oder Belange ihrer Belegschaft. Allerdings wird diese neue Richtlinie zusätzliche Anstrengungen erfordern, da sie sich nicht allein auf die Geschäfte des jeweiligen Unternehmens selbst bezieht, sondern – soweit anwendbar und relevant – auch die Offenlegung von Daten im Hinblick auf die Lieferkette verlangt.

Eigenverantwortung für Risiken und Verstöße
Gerade dieser Teil – die Offenlegung von Informationen zur Lieferkette – kann für Unter-nehmen die größte Herausforderung im Rahmen ihrer nicht finanzbezogenen Bericht-erstattung darstellen. Während die Ausarbeitung detaillierter Vorschriften in die Verantwortung der einzelnen Mitgliedsstaaten fällt, liegt die Verantwortung für die Identifizierung von Risiken und Mängeln innerhalb der Lieferkette sowie für die Verhinderung potenzieller Verstöße gegen die eigenen Nachhaltigkeitsziele bei dem betreffenden Unternehmen selbst.

Dabei bietet die Einhaltung dieser neuen Richtlinie durchaus auch Nutzen: Sie stärkt nicht nur den Ruf des Unternehmens in puncto Nachhaltigkeit, sondern führt auch zu Effizienz-steigerungen, die eine ganze Reihe von Vorteilen mit sich bringen, wie Kosteneinsparungen, Compliance und neue geschäftliche Möglichkeiten.

Nachhaltigkeit optimieren mit Software und Zertifizierung
Moderne, integrierte Software-Lösungen machen das Lieferketten-Management einfacher und effizienter. Die wichtigste Herausforderung besteht darin, die Sichtbarkeit der Lieferanten zu erhöhen und sie dazu zu bewegen, mit den Anforderungen der eigenen Nachhaltigkeitsziele, des eigenen Verhaltenskodexes sowie anderer Rahmenwerke konform zu gehen. Die Verfolgung der Nachhaltigkeitsperformance ist keine Einbahnstraße, sondern dient vielmehr der Kommunikation und Interaktion zwischen allen Ebenen der Lieferkette. Geeignete Software kann bei der Verfolgung und Verwaltung der wichtigsten Umwelt- und Sozial-indikatoren ausgesprochen hilfreich sein und darüber hinaus die Umsetzung der Verbesserungspläne auf Seiten der Lieferanten genau im Auge behalten. Regelmäßige Umfragen geben Lieferanten Gelegenheit zu Feedback hinsichtlich ihrer firmeneigenen Richtlinien und ihrer Einhaltung allgemeiner Geschäfts- und Nachhaltigkeitsziele. Dies wiederum hilft Organisationen, Risiken und Probleme innerhalb ihrer Lieferkette besser zu verstehen und den Fokus auf spezifische Punkte wie Arbeitssicherheit oder Arbeits-bedingungen zu legen.

Doch wie steht es mit entsprechender Zertifizierung? Die EU-Richtlinie bestärkt die betreffenden Unternehmen darin, ihre Berichterstattung unter Anwendung etablierter und anerkannter Rahmenwerke wie Global Reporting Initiative, UN Global Compact, ISO 26000 oder ILO Tripartite Declaration vorzunehmen. Auch wenn dies nicht zwingend so vorge-schrieben ist, so bieten diese Rahmenwerke Unternehmen dennoch die Möglichkeit, ihre nicht finanzbezogene Berichterstattung professioneller zu gestalten und gleichzeitig das eigene Datenmanagement zu vereinfachen. Eine Nachhaltigkeitszertifizierung an sich schreibt die Richtlinie ebenso wenig vor – diesbezügliche Regelungen zu treffen, was in ihrem eigenen Interesse wäre, bleibt den einzelnen Mitgliedsstaaten überlassen. Auf diese Weise haben Unternehmen die Möglichkeit, das Rahmenwerk auszuwählen und anzuwenden, das im Hinblick auf die jeweilige Branche und Geschäftstätigkeit am sinnvollsten erscheint.

Die neue EU-Richtlinie wird also sowohl eine große Herausforderung als auch eine große Chance darstellen. Angesichts der zunehmend länger und komplexer werdenden globalen Lieferketten wird diese Richtlinie Unternehmen dazu veranlassen, ihre üblichen Praktiken zu überdenken, sie effizienter und sicherer zu machen – wovon letztlich alle Beteiligten profitieren.

Beitrag von Ingo M. Rübenach, Vice President DACH Region, UL International Germany GmbH

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