Zertifikat für nachhaltigen Anbau von Agrarholz

Biomasse als eine der nachhaltigen Alternativen zu fossilen Energieträgern? Klingt gut, doch der Anbau von Energiepflanzen wie Mais oder Raps kann sich auch negativ auf die Umwelt auswirken. Eine deutliche Abnahme der Vielfalt von Pflanzen und Tieren kann die Folge sein. Auch Belastungen von Grund- und Oberflächenwasser können auftreten. Um ähnliche Folgen beim Anpflanzen von Pappeln und anderen schnell wachsenden Hölzern auf landwirtschaftlichen Flächen zu vermeiden, entwickelte das Internationale Institut für Wald und Holz NRW (Münster) ein Nachhaltigkeitszertifikat. Es regelt ein nachhaltiges, umwelt- und klimafreundliches Anlegen, Bewirtschaften und Ernten dieser Flächen.

„Im Gegensatz zu den immer teurer werdenden fossilen Energieträgern hat der umwelt-freundliche und klimaneutrale Agrarholzanbau Zukunft“, sagt Prof. Dr. Andreas Schulte, Vorsitzender des Instituts. Mit Beginn dieses Jahres können umweltbewusste Flächen-besitzer ihre Kurzumtriebsplantagen – also Schnellwuchsplantagen – mit dem Logo „Agrarholz nachhaltig angebaut“ zertifizieren lassen. Das Zertifikat sichere Ökostandards für diese Landschaftsnutzungsform in Deutschland und sei jeweils für fünf Jahre gültig. In dieser Zeit werde der Betrieb mindestens zweimal kontrolliert. Anschließend könne das Zertifikat nach erneuter Prüfung um fünf Jahre verlängert werden.

„Verschiedene Forscher und Institutionen haben für 2020 eine Holzversorgungslücke für Europa wie für Deutschland vorhergesagt, die sich nicht allein durch nachhaltiges Bewirtschaften von Wäldern schließen lässt. Ab 2014 können alle Bundesländer das Anlegen schnell wachsender Agrarholzflächen bezuschussen lassen – so hat es die Bundesregierung Anfang 2013 beschlossen“, sagt Schulte. Die Europäische Union habe zudem den Rahmen dafür geschaffen, dass diese Form der Landwirtschaft durch die Mitgliedsländer als ökologische Vorrangfläche anerkannt werden kann.

Auf bislang rund 10.000 Hektar – rund ein Drittel der Fläche der Stadt Münster – stünden Agrarholzflächen in Deutschland. Im Vergleich zu anderen Energiepflanzen wie Raps und Mais, die auf über zwei Millionen Hektar wüchsen, sei die Fläche eher klein. Dabei sei der Anbau von Holz als Bioenergieträger insgesamt kostengünstiger, vor allem aber ökolo-gischer als der anderer Energiepflanzen. „Da der Boden nur alle 30 Jahre bearbeitet werden muss – bei Mais und Raps dagegen jedes Jahr – ist die lange Bodenruhe ein großer ökologischer Vorteil. Auch wird in der Regel kein Dünger und werden vergleichs-weise wenig Pestizide benötigt“, so Schulte. Neben dem Erzeugen von Strom und Wärme könnten aus Holz unter anderem auch Papier, Holzwerkstoffe oder Verbundmaterialien hergestellt oder thermisch behandeltes Pappelholz zur Fassadenverkleidung verwendet werden.

„Gemeinsam mit anderen Institutionen und Verbänden haben wir Kriterien erarbeitet, die sich an nationalen und europäischen Regelungen orientieren und über geltende Standards hinausgehen“, so Schulte. Dieser Katalog ist im Rahmen von fünf Praxistests in Branden-burg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern erprobt worden. Beim Anlegen und Bewirtschaften von Agrarholzflächen sei es wichtig, den Natur- und Wasser-haushalt, die biologische Vielfalt und das Landschaftsbild nicht zu beeinträchtigen. Obendrein sollten auch großflächige Monokulturen vermieden werden, um die Lebens-raumvielfalt zu erhöhen und das Risiko für Schädlinge und Krankheitsbefall zu senken. Damit der Wasserabfluss gewährleistet bleibe, dürften Böden in hochwassergefährdeten Gebieten nicht für den Anbau genutzt werden. Zudem dürften Pflanzenschutz- und Dünge-mittel nur im Bedarfsfall, nicht vorbeugend eingesetzt werden. Der Erholungswert und das Landschaftsbild sollten ebenfalls nicht beeinträchtigt werden.

„Mit der Zunahme des Agrarholzanbaus werden zertifizierte Betriebe gegenüber konven-tionellen – ähnlich wie im Holzhandel – in Zukunft einen deutlichen Marktvorteil erringen können. Nachhaltiges Wirtschaften kann sich deshalb nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus ökonomischer Sicht lohnen“, betont DBU-Referent Dr. Reinhard Stock. Das Zertifizierungsverfahren wurde gemeinsam mit der DIN CERTCO Gesellschaft für Konformi-tätsbewertung (Berlin) als unabhängige und akkreditierte Zertifizierungsgesellschaft der Rheinlandgruppe des Technischen Überwachungsvereins und des Deutschen Instituts für Normung durchgeführt. Weiter Informationen gibt die Internetseite www.agrarholz-nachhaltig-angebaut.de.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.