Das Jahr startet mit relativ stabilen Energiepreisen

Das neue Jahr startet mit relativ stabilen Energiepreisen, wobei jedoch die Strompreise etwas schwächelten. Wie der ISPEX-Energiepreisindex für den Januar zeigt, konnten Unternehmen im ersten Monat des Jahres sogar teilweise noch bessere Konditionen erzielen als im Dezember. Als Grund dafür nennen die Energieexperten von ISPEX die Preisunterschiede an den Großhandelsplätzen. Besonders im Stromhandel wurden große Unterschiede in Bezug auf die Lieferzeiträume festgestellt. So verlangte der kurzfristige Handel um einiges höhere Preise als für die Lieferverträge ab 2019 bezahlt werden muss. Ebenso hat der Ausgang der Wahl in den Vereinigten Staaten Auswirkungen auf den Energiemarkt.

Gewerbekunden profitieren von niedrigen Strompreisen
Im Januar gaben die Strompreise noch etwas mehr nach als im Dezember. Gewerbekunden mussten für die Kilowattstunde nur noch 3,21 Cent bezahlen, anstatt wie im Dezember noch 3,40 Cent, wie die Analyse der Preise für den von ISPEX ermittelten Energiepreisindex ergab.

Für das Sinken der Preise machen die Energieexperten der ISPEX AG die momentane Entwicklung an den Großhandelsplätzen verantwortlich. Hierbei muss nicht nur der Durchschnittswert berücksichtigt werden, sondern auch die Lieferzeiträume, für die die Unternehmen den Vertrag abschließen. Denn diese werden an den Börsen unterschiedlich bepreist. Daher können Unternehmen, die aktuell einen Liefervertrag ab 2019 abschließen, mit besseren Konditionen rechnen als für 2018.

„In solchen Situationen sollten Unternehmen stets in Betracht ziehen, sich die Preise für die langfristigeren Jahre zu sichern und für das kommende Jahr noch abzuwarten, bis auch dieses günstiger abgeschlossen werden kann“, rät Stefan Arnold, Vorstandsvorsitzender der ISPEX AG. „Bei den derzeitigen Preisen beträgt dieser Unterschied durchaus 0,2 bis 0,3 Cent je Kilowattstunde, was bei entsprechenden Mengen erhebliche Kosten bedeuten kann“, erläutert Arnold.

Ein weiterer bemerkenswerter Aspekt, der im Januar auffiel, war die Preisgestaltung der deutschen Lieferanten. Da es eklatante Unterschiede bei den Preisen für baldige bzw. fernere Lieferzeiträume und dem kurzfristigen Handel gibt, hat das Einkaufsverhalten der Lieferanten auch einen Effekt auf ihre Preisgestaltung. Je nach Bewirtschaftung des Vorrats wurden verschiedene Preise kalkuliert. Aufgrund dessen bot eine Vielzahl von Lieferanten den Kunden im Januar sehr günstige Konditionen. Darunter waren auch Lieferanten, die in der Vergangenheit nicht unbedingt für niedrige Preise bekannt waren.
„Nach wie vor spielt also die Lieferantenauswahl eine große Rolle und Ausschreibungen sollten einem echten Lieferantenwettbewerb ausgesetzt sein. Am effektivsten gelingt dies mit interaktiven Online-Plattformen, bei denen die Angebote der Lieferanten in Echtzeit ausgewertet und in ein Ranking gegossen werden, das Lieferanten anspornt, ihre Angebote schrittweise zu verbessern“, plädiert Marktexperte Arnold für mehr Wettbewerb.

Die Strompreise an den Börsen gehen weit auseinander
Nach einem kurzen Sinkflug Anfang Januar scheinen die Strompreise an den Großhandels-plätzen vordergründig stabil. Das trifft besonders auf das Basisband Phelix Base Cal 18 für das kommende Jahr an der Leipziger EEX zu. Ein genauerer Blick auf die Lieferjahre 2019 und 2020 zeigt jedoch die Preisunterschiede: Während die Entwicklung des kommenden Jahres im Januar stabil war, sanken die Preise der folgenden Jahre leicht.

Ein anderes Bild zeigt sich beim kurzfristigen Handel, der allerdings auch einen Effekt auf längerfristige Lieferverträge hat. So sinken die Preise für die Lieferjahre 2019 und 2020 zurzeit leicht, die Preise für Monatsverträge sowie der Spothandel liegen hingegen sehr deutlich über denen für Lieferjahre. Für den Monatsvertrag für März 2017 wurden Anfang Februar 40 Euro je Megawattstunde aufgerufen, das Basisband für 2020 dagegen mit 27,78 Euro je Megawattstunde. Das entspricht einer Differenz von 1,22 Cent je Kilowattstunde.

Die Preise für die Lieferjahre haben sich erwartungsgemäß stabilisiert bzw. sind leicht gesunken, wohingegen der kurzfristige Handel seit Dezember weiterhin Achterbahn fährt. Wirtschaftliche Ereignisse und das Wetter beeinflussen besonders die Preise für den Folgemonat und im Spothandel, daher sind Entwicklungen hier sehr schwierig und nur mit kurzem Vorlauf vorauszusehen.

„Für die gehandelten Lieferjahre ist zu erwarten, dass diese die stabile Situation mit leichtem Abwärtstrend nicht allzu deutlich verlassen werden. Hier wird es mangels anderer Impulse vor allem auf die Wirtschaftsaussichten ankommen. Dabei sind vor allem die chinesische Nach-frage nach Kohle und die erwarteten Konjunkturdaten in Europa, insbesondere Deutschland zu betrachten“, schätzt Arnold die Lage ein. „Mit der Präsidentschaft von Donald Trump und seiner Politik ist hier ein weiterer Faktor hinzugekommen, der im Auge behalten werden sollte“, ergänzt der Energieexperte.

Gaspreise steigen nur geringfügig an
Lediglich 0,01 Cent je Kilowattstunde mehr als im Dezember zahlten Unternehmen im Januar für ihre Gaslieferverträge. Der angebotene Durchschnittspreis lag somit bei 1,75 Cent je Kilowattstunde.

Die Unternehmen bewerten das derzeitige Gaspreisniveau sehr unterschiedlich. Das resultiert aus den unterschiedlichen Preisen der letzten Jahre im Vergleich zu den derzeitigen: Anfang 2014 wurde das Lieferjahr 2018 an den Börsen noch mit über 24 Euro je Megawattstunde gehandelt, 2015 dann wenigstens noch mit über 20 Euro, Anfang 2016 schließlich teilweise mit unter 14 Euro je Megawattstunde. 2017 hingegen stiegen die Preise auf über 18 Euro je Megawattstunde. Diese Entwicklung hatte natürlich Auswirkungen auf die Einkaufspreise für Unternehmen.

„Auch beim Gas kommt es entscheidend auf die Einkaufszeitpunkte an. Im Rückblick auf die vergangenen Jahre verfolgten diejenigen Unternehmen die beste Strategie, die gerade nicht die gesamte Gasmenge zu einem Zeitpunkt einkauften, sondern deren Strategie sich entlang der Börsenpreise bewegte“, erklärt Stefan Arnold. „Mit entsprechenden Tranchenverträgen mit Preisformeln kombiniert mit gezielter Marktbeobachtung ließen sich so über den Mehrjahreszeitraum die besten Ergebnisse erzielen“, weiß der Preisexperte.

Gaspreise entwickeln sich nicht einheitlich
Ähnlich wie bei den Strompreisen entwickeln sich auch die Gaspreise an den Börsen bezüglich der Lieferperioden nicht einheitlich. Bei den Basisprodukten für die Lieferjahre ist eine gewisse Stabilität zu erkennen und derzeit ein kleiner Sinkflug. Die Senkung der Gaspreise Anfang Januar wurde durch die Kältewelle wieder aufgefangen. Die Preise für den kommenden Monat steigen deutlich, besonders im Vergleich zu den Basisprodukten der folgenden Lieferjahre. Begründet liegt das in der durch die Kältewelle bedingten, hohen Nachfrage nach kurzfristig verfügbarem Gas. Auf die Preise für die folgenden Lieferjahre hatte das wenig Auswirkung. Sie blieben den Januar über stabil. Für die Lieferverträge ab 2019 ist sogar ein leichter Abwärtstrend zu erkennen.

„Es besteht eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich der politischen Entwicklungen, diesmal nicht im Nahen Osten, wie es für die Energiepreise oftmals relevant ist, sondern vielmehr in Richtung Welthandel und die Rolle der US-amerikanischen Wirtschaftspolitik. Eine getrübte Konjunktur belastet auch immer die Energiepreise“, gibt Arnold zu bedenken.

Die ISPEX Marktexperten sehen zurzeit keine Auswirkung des Rohölpreises auf die Gaspreisentwicklung. Erwartungsgemäß hat sich dieser bei der Ende November erreichten 55-EUR-Marke eingependelt, mit Kurssprüngen wird demnächst nicht gerechnet.

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