In den letzten Jahrzehnten hat die Logistik-Branche vor allem die operativ/physischen Prozesse optimiert. Hier stoßen wir aber immer mehr an Grenzen des Machbaren. Wie sieht also die Zukunft aus? All about Sourcing sprach mit Max Gürtler, Geschäftsführer der Freightfinders GmbH.
Sourcing: Warum liegt die Zukunft der Logistik-Branche im Web?
Gürtler: Das Web hat uns schon in vielen Branchen gezeigt, dass hoch standardisierte Prozesse online einfacher dargestellt und somit für Kunden attraktiver vermarktet werden können. Unternehmen leben schon immer von der Skalierbarkeit Ihrer Logistikprozesse. Wer in Zukunft tragfähige Geschäftsmodelle in der globalen Logistikbranche betreiben möchte, muss auch eine Strategie haben, um bestehende Daten nutzbar zu machen und neue Datenquellen in kurzfristige Entscheidungsfindungen zu integrieren.
Sourcing: Welche Hürden sehen Sie aktuell in der Digitalisierung der Logistikbranche?
Gürtler: Wir erleben aktuell vor allem viele offene Ohren. Jedem Marktteilnehmer ist klar, dass disruptive Prozesse in den nächsten Jahren die Logistikbranche stark verändern werden. Momentan erkenne ich eher einen Trend, dass viele etablierte Unternehmen nicht wissen, wie Sie auf diese Veränderung reagieren sollen. Die Logistikbranche ist neben verschiedenen Großkonzernen, zumindest in Deutschland, auch stark mittelständisch geprägt. Hier werden vor allem Investitionen in Assets, wie Lagerhallen und Fuhrparks, als finanziell interessant angesehen. Eine effiziente digitale Strategie fehlt leider in den meisten Unternehmen.
Big-Data wird in diesem Bereich zu erheblichen Einsparungen von Ressourcen führen können. Tragfähige Geschäftsmodelle sieht man schon länger im Landverkehr, wo versucht wird, durch Frachtbörsen den Laderaum und die Fracht effizient zusammenzuführen. Andere Logistiksparten werden hier folgen und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir noch Geschäfts-modelle sehen werden, mit denen heute noch niemand rechnet.
Ich denke, die größte Hürde steckt im Kopf der Entscheider. Wer in Zukunft gute Geschäfte machen will, muss bereit sein, neue Denkweisen nicht als Bedrohung anzusehen, sondern als Chance für die Zukunft. Sehen Sie z.B. den Vertrieb bei Logistikdienstleistern. Aus meiner Sicht ist der Vertrieb in naher Zukunft weitestgehend von digitalen Veränderungen betroffen. Unternehmer halten heutzutage Heerscharen von Vertriebsmitarbeitern, die viel Zeit im Auto verbringen, um zu Ihren Kunden zu fahren. Die Kosten dafür sind erheblich und die Erträge stellen sich oft erst nach vielen Monaten ein. Kleine Firmen, oft Hidden Champions, können sich das schlicht nicht leisten und werden damit nur regional wahrgenommen.
Sourcing: Wie haben Sie diese Probleme mit Ihrer Plattform gelöst?
Gürtler:Freightfinders.com stellt in seiner ersten Entwicklungsstufe ein effizientes Tool zum Preisvergleich und Buchen von Seefrachtsendungen dar. Das Ziel ist es jedem Kunden, jede mögliche Transportstrecke in Echtzeit anbieten zu können. Anbieter sollen vergleichbar werden und dem Nutzer jeweils passend für seine Ansprüche angezeigt werden.
Ich denke, Ihre Leser kennen das Problem gut, denn Transportkosten sind, zusammen mit den Herstellkosten, ein wichtiger Teil der Beschaffungskosten. Wenn ich einen Lieferanten in Übersee mit einem aus Europa vergleichen möchte, brauche ich schnell und einfach eine Grundlage für meine Entscheidungsfindung. Aktuell laufen diese Anfragen hauptsächlich per Mail. Je nachdem, wie gut der Draht zu Ihrem Logistiker ist, bekommen Sie es nach ein paar Stunden oder ein paar Tagen. Aber selbst wenn Sie es nach ein paar Stunden bekommen, haben Sie es oft schwer, die Angebote zu vergleichen. Bei Freightfinders.com bekommen Sie diesen Überblick kostenlos 24/7 in Echtzeit.
Sourcing:Haben Sie keine Angst, dass Ihre Kunden bei Ihnen die Preise vergleichen und dann doch wieder bei Ihrem gewohnten Anbieter buchen?
Gürtler:Wir haben davor keine Angst, sondern sehen das als Service an unseren Nutzern. Wir können nicht erwarten, dass jeder Nutzer bei uns auch seine Transporte bucht. Unser Hauptaugenmerk liegt darauf, für unsere Nutzer so viele Mehrwerte zu schaffen, dass er gar kein Interesse mehr daran hat, woanders Preise zu vergleichen oder zu buchen. Einer dieser Mehrwerte ist z.B. unser Dokumentenmanager. Dieser erinnert daran, welche Papiere fehlen und minimiert somit die Gefahr an Mehrkosten. Ein weiterer Vorteil wäre die kostenlose GPS Überwachung Ihrer Container in Echtzeit. Bis Jahresende werden wir weitere Features starten, die dem Kunden helfen, seine Prozesse zu optimieren.
Sourcing:Haben Sie einen Ausblick für die nächsten 5 Jahre in der Logistikbranche parat?
Gürtler:Ich denke, dass es klassische Anbieter im Bereich von Fourth Party Logistics (4PL) schwer haben werden, ihre Dienstleistungen gewinnbringend zu vermarkten. Logistiker mit eigenen
Assets und einer digitalen Strategie werden das Rennen machen. Die Zukunft der Logistik liegt im Zusammenspiel eigener Leistungserstellung und einem digitalisierten Vertrieb mit globaler Reichweite. Der Nutzer wird immer mehr kostenlose Services genießen und zumindest im Onlinebereich immer mehr Möglichkeiten bekommen, seine Ware einfach und kostengünstig von A nach B zu bewegen, ohne dabei den Überblick zu verlieren.
Plattformen wie Freightfinders.com werden in Zukunft einen erheblichen Teil der Vergabe von Logistikaufträgen managen. Diese Entwicklung bringt erhebliche Vorteile. Gerade für das Segment der KMUs, deren Bedarf permanent schwankt und welche dennoch einen hohen Anspruch an Qualität und Preis haben.
von Max Gürtler – Geschäftsführer der Freightfinders GmbH

