Die neue Aufgabe des Einkaufs

Auch 2018 stand wieder ganz unter dem Motto „Digitale Transformation“. Unternehmen haben aufwendig und teils auch sehr kostenintensiv Prozesse und Abteilungen mit moderner Technologie und Systemen ausgestattet. Tatsache ist aber, dass es auch 2019 noch viel zu tun geben wird in Sachen Digitalisierung. Forrester geht davon aus, dass Unternehmen ihre strategischen Vorhaben in Bezug auf die digitale Transformation in pragmatisch, präzise umgesetzte Anstrengungen umwandeln.

Der Einkauf definiert sich neu
Ohne Zweifel, die Digitalisierung hat bereits vielen Unternehmen dabei geholfen, den Arbeitsalltag zu erleichtern, Geschäftsmodelle zu überdenken und Prozesse effizienter zu gestalten. Auch die Art und Weise, wie Produkte und Dienstleistungen gekauft, verkauft und verwaltet werden, hat sich dank moderner Technologie und Cloud-basierten Business Netzwerken verändert.

Doch auch hier zeigt sich, dass der Digitalisierung zum einen immenses Potenzial für die Abteilung innewohnt, zum anderen jedoch die meist aufwendige und kostenintensive Umsetzung Unternehmen häufig den Wind aus den Segeln nimmt. So hat die Studie der Universität Würzburg-Schweinfurt und SAP Ariba gezeigt, dass sich zwar 83 Prozent der befragten Einkaufsmanager sicher sind, dass die digitale Transformation wichtig für den Einkauf ist, aber nur 5 Prozent derzeit tatsächlich mit hochautomatisierten Einkaufsprozessen arbeiten.

Der strategische Einkauf muss jetzt handeln: Denn neben dem Ziel der Kosteneinsparungen, haben sich durch die zunehmende Komplexität der Lieferketten auch neue Aufgaben und Herausforderungen ergeben. Diese erfordern eine hohe Agilität, aber auch humane und maschinelle Intelligenz. Nur so können Risiken minimiert und Prozesse beschleunigt werden.

Für 2019 stellt sich nun die Frage, was folgt nach der Digitalisierung? Wird es die Funktion Einkauf, wie wir sie heute kennen auch noch in Zukunft geben? Und welchen Einfluss künstliche Intelligenz (KI) und Blockchain auf den Einkauf haben?

KI und Blockchain: Intelligenz und Transparenz
Künstliche Intelligenz steht noch ganz am Anfang. Kaum ein Unternehmen schöpft bisher ihr volles Potenzial aus. Neben dem Einsatz von Robotern in der Produktion, im Service oder auch am Point of Sales, wird sich wohl erst in Zukunft zeigen, wer die Technologie intelligent einsetzen kann und wen sie zum Game Changer einer ganzen Branche werden lässt.

Auch im Einkauf findet die Technologie ihren Einsatz: dabei soll der Roboter aber – wie derzeit befürchtet – keineswegs den Mitarbeiter ersetzen. Vielmehr soll ihm ein intelligenter Assistent zur Seite gestellt werden, der durch seine umfassenden Einblicke entlang der Lieferkette eine hilfreiche Unterstützung ist. So kann er beispielsweise bei der Wahl der richtigen Lieferanten die nötigen Informationen über Zahlungsfähigkeit, Qualität, Rohstoffe und Preise liefern und Empfehlungen aussprechen. Der intelligente Assistent hilft auch im Vertragsmanagement, denn wenn es um die Verarbeitung und Analyse großer Datenmengen geht, um Vorschläge und Handlungsempfehlungen zu erhalten, dann ist ein intelligenter Assistent unschlagbar. Er liefert unmittelbar Antworten, für die ein Mensch einen hohen Aufwand betreiben müsste.

2018 war auch das Jahr der Blockchain und auch 2019 werden sich Experten mit der Frage beschäftigen, ob die Technologie einen wertvollen Business-Nutzen hat oder sich doch nur als ein weiterer Hype herausstellt, deren Einsatz sich vielleicht erst in den nächsten Jahren wirklich lohnen wird. Trotz der unterschiedlichen Meinungen lässt sich für den Einkauf und die Supply Chain sagen, dass Blockchain hier in bestimmten Fällen seine Berechtigung findet. Blickt man auf die Vorteile der Blockchain, wie durchgängige Transparenz und die Unveränderbarkeit von Daten, zeigt sich, dass Prozesse und Transaktionen sich so effizient und nachvollziehbar gestalten lassen. Diese Eigenschaften sind insbesondere in Unternehmen wichtig, in denen die Herkunft von Waren und Inhaltsstoffen ausschlaggebend ist – beispielsweise die Palmölproduktion. Die Zertifizierung dieses Produktes ist dank Blockchain für alle Beteiligten transparent nachvollziehbar.

Die neue Aufgabe des Einkaufs
Durch den zunehmenden Einsatz moderner Technologie und Cloud-basierten Business-Netzwerken entwickelt sich die einst taktische Einkaufsfunktion zu einem modernen Strategen. Aufwendige, zeitraubende manuelle Aufgaben können dem Einkaufsprofi abgenommen werden. Die gewonnene Zeit kann er für strategische Aufgaben, die Stärkung der Lieferanten-, Kunden- und Partnerbeziehung sowie für die Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle, effizienter Prozesse und neuer Produkte nutzen. Da der Einkauf über alle wichtigen Informationen verfügt, können Lieferanten rechtzeitig in Prozesse eingebunden und Potenziale optimal genutzten werden. Einkäufer und Lieferanten können in Echtzeit interagieren, das wertet die Zusammenarbeit auf, steigert den strategischen Mehrwert und fördert somit Erfolg und Wachstum.

Die neu gewonnene Transparenz über die gesamte Supply Chain hinweg, ermöglicht dem Chief Procurement Officer nicht nur, sich über Lagerbestände, Zykluszeiten, Rohstoffe und Lieferanten zu informieren, sondern er kann dem Einkauf auch eine ganz neue Bedeutung zukommen lassen. In der heutigen schnelllebigen Zeit, in der Waren und Artikel in Massen zur Verfügung stehen, rücken soziale und ökologische Werte eines Unternehmens immer mehr in den Mittelpunkt für Kunden, Partner und Stakeholder. Der Einkauf spielt hier eine Schlüsselfunktion, denn er kann Handelspartner auf notwendige Governance-Strukturen hin prüfen und damit Lieferanten ausschließen in deren Lieferkette beispielsweise Zwangsarbeit, Menschenhandel und unmenschliche Arbeitsbedingungen vorkommen und jene auswählen, die rein natürliche und nachhaltige Ressourcen verwenden und mit den Wertevorstellungen des eigenen Unternehmens übereinstimmen. Der CPO trägt dadurch nicht nur zur Verbesserung und Wertsteigerung des Unternehmens bei, sondern hat das Potenzial die Welt ein Stück zu verändern.

Das intelligente Unternehmen mit Ökosystem
Was folgt also nach der Digitalisierung? Hochautomatisierte Prozesse, künstliche Intelligenzen und Machine-Learning-Funktionen, reichen nicht aus, um erfolgreich und innovativ zu sein. Es sind die Menschen, die den echten Mehrwert liefern. Deshalb müssen sie über die richtigen Kompetenzen verfügen, um die Technologien einsetzen und Daten richtig interpretieren zu können. Ein Beruf ohne den Einsatz von Software und Technologie wird es wohl in Zukunft kaum noch geben – hier muss sich auch der Einkauf neu orientieren.

Wer in Zukunft erfolgreich agieren will, muss sich von einem digitalen Unternehmen zu einem intelligenten Unternehmen entwickeln. Dieses zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass es eine hohe Innovationskraft besitzt, einfach neue Geschäftsmodelle entwickelt und auf individuelle Bedürfnisse des Kunden eingehen kann. Der Einsatz von Geschäftsnetzwerken spielt hier eine große Rolle. Sie sind die Basis für ein Ökosystem, das weit mehr beinhaltet als ein Netzwerk aus Käufern und Verkäufern. Neben der Erleichterung des Handels ermöglicht es Geschäftspartnern gemeinsam an Innovationen zu arbeiten, neue Betriebsmodelle und Einnahmequellen zu entwickeln.

Unternehmen sollten daher den Einkauf als Basis für die Entwicklung hin zu einem agilen, intelligenten und innovativen Unternehmen verstehen.

von Dr. Marcell Vollmer, SVP, Chief Digital Officer bei AAP Ariba

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