Digitalisierung ist kein Selbstläufer

Die Implementierung digitaler Arbeits- und Produktionsprozesse entlang der gesamten Lieferkette ist kein Selbstläufer. Industrie 4.0 stellt Einkäufer, Logistiker und Supply Chain Manager vor große Herausforderungen: Digitale Informationen müssen künftig jederzeit abrufbar sein, High-Speed-Kommunikation zwischen allen Gliedern der Lieferkette ermöglicht und professionelle Daten-Analyse sichergestellt werden. Das sind zentrale Ergebnisse der 9. BME-eLÖSUNGSTAGE in Düsseldorf.

Rund 1.300 Manager aus Einkauf, Supply Chain und Logistik hatten seit Dienstag aktuelle IT-Megatrends diskutiert. Der jährlich stattfindende Kongress für elektronische Beschaffung stand 2018 unter dem Motto „Die digitale Transformation des Supply Managements forcieren“.

In seiner Eröffnungsrede hatte Dr. Silvius Grobosch, Hauptgeschäftsführer des Bundes-verbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), am Dienstagvormittag darauf verwiesen, dass „das Internet der Dinge die Lieferketten nachhaltig verändert. Dabei geht es neben der Automatisierung der Geschäftsprozesse vor allem um neue Betriebsmodelle.“ Im Fokus stünden smarte, intelligente und end-to-end-integrierte Prozesse, die die Supply Chain Manager in die Lage versetzen, Marktchancen agil zu nutzen und Risiken zu beherrschen. Neue elektronische Anwendungen, die wachsende Vernetzung aller Glieder der Lieferkette sowie der Einsatz künstlicher Intelligenz ermöglichten nicht nur eine deutliche Effizienz-steigerung, sondern auch völlig neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine. Grobosch: „Richtig angewendete und ausgeschöpfte E-Lösungen führen zu wesentlich leistungsfähigeren Betriebsmodellen in Einkauf, Logistik und Supply Chain Management.“

„Die deutsche Industrie muss ihren eigenen Weg zur erfolgreichen Umsetzung der digitalen Transformation finden. Es geht nicht darum, das Silicon Valley zu kopieren“, betonte Dr. Hannes Ametsreiter, CEO von Vodafone Deutschland und Mitglied im Executive Committee der Vodafone Group, in seiner Keynote. Ängste bei der Einführung des Internets der Dinge seien unbegründet. Ametsreiter an die Adresse der teilnehmenden Einkäufer, Logistiker und Supply Chain Manager: „Die Welle der Digitalisierung ist kein bedrohlicher Tsunami. Man muss nur richtig surfen.“ Wichtig für den Erfolg von Industrie und Einkauf 4.0 sei vor allem, die geeignete IT-Infrastruktur zu bauen.

Wer Gigabit-Gesellschaft sage, müsse auch Glasfaser sagen. Die Glasfasertechnologie ermögliche den Transfer von Daten in Lichtgeschwindigkeit. Übertragungsraten von bis zu 50 Megabit pro Sekunde, wie sie gegenwärtig erreicht würden, reichten nach Ametsreiters Einschätzung „weder für heute noch für morgen aus“. Die Industrie brauche Glasfaser-anschlüsse, die ihr Business beschleunigen. Sonst könne der Wirtschaftsstandort Deutschland international nicht mithalten.

Die deutsche Wirtschaft stehe vor gewaltigen digitalen Herausforderungen, sagte Hartmut Pütz, President Factory Automation der Mitsubishi Electric Europe B.V., in seiner Keynote. Dazu zähle beispielsweise die „Flexibilisierung der Produktion“. Industrie 4.0 biete aber auch große Vorteile. So werde sich im Zuge der digitalen Transformation der Lagerbestand deutlich reduzieren. Allerdings werde es nach Pütz Ansicht „noch Jahre dauern, bis digitale Konzepte in der Industrie eingeführt sind“. Damit dies gelinge, seien unter anderem 5-G-Mobilfunknetze erforderlich.

Mit der Zukunft des Einkaufs beschäftigte sich Dr. Klaus Staubitzer, Chief Procurement Officer der Siemens AG, in seiner Keynote. Bis vor ein paar Jahren sei die Einsparung von Material das Hauptthema im Einkauf des Global Players gewesen. Heute beschäftige sich das Siemens-Procurement mit der Frage, wie viel es für die zur Fertigung benötigten Ressourcen ausgebe und was dabei herauskomme.

Der Konzerneinkauf habe sich mittlerweile vom reinen Cost Cutter zum Projektentwickler entwickelt, erläuterte Staubitzer. Die Digitalisierung werde seiner Prognose nach „zu einem Kampf um die besten Talente führen“. Die digitale Transformation aller Glieder der Lieferkette funktioniere nur, „wenn wir unsere Mitarbeiter motivieren“, fügte der Siemens-CPO hinzu. „Smart“ heiße für ihn, „alle Leute mitzunehmen“.

Highlights des ersten Veranstaltungstages war die Verleihung des BME-Awards „Excellence in eSolutions“ sowie die Vorstellung der Umfrage-Ergebnisse des „BME-Barometers Elektronische Beschaffung 2018“. Mit dem BME-Preis „Excellence in eSolutions 2018“ zeichnete der Einkäuferverband die ZF Friedrichshafen AG aus.

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