Intelligentes Währungsmanagement

Importeure von Weihnachtsartikeln und anderen saisonalen Waren müssen beim Einkauf weit im Voraus planen. Umso wichtiger ist die Wahl der richtigen Instrumente zur Absicherung gegen künftige Währungsschwankungen. Alle Jahre wieder …beglückt uns die Weihnachtssaison mit einer Fülle von Waren. Dabei werden die meisten Artikel nicht kurz vor Saisonbeginn bestellt, damit sie pünktlich in den Regalen liegen – die Händler müssen natürlich in viel größeren Zeiträumen planen und handeln. So beginnt das Weihnachtsgeschäft oft schon im Januar, wenn ausgewählt, geprüft und bestellt wird. Die georderte Ware trifft dann zumeist zur Jahresmitte ein, bevor sie im Spätherbst oder beginnenden Winter in Kaufhausregalen oder Online-Sortimenten die Verbraucherlust auf das große Kaufen und Schenken weckt.

Je nachdem, wo der Lieferant seinen Sitz hat, kann dieses Prozedere vor allem eine logistische Herausforderung bedeuten. Da aber viele Güter seit Längerem auch von „sehr weit weg“ – bei Weihnachtsartikeln in der Regel aus Fernost – zu uns kommen, tritt eine ganz andere Frage in den Vordergrund: Wie soll es im Angesicht dynamischer Währungsmärkte mit dem Bezahlen der Ware gehalten werden? Welche Sicherheit hat der Käufer, dass die bestellte Ware zum Lieferzeitpunkt noch genau so viel kostet wie bei der Bestellung – und nicht etwa deutlich mehr?

Absicherung ist elementar
Um hier möglichst umsichtig und wirtschaftlich zu agieren, bieten sich den Importeuren verschiedene Absicherungsinstrumente. Ohne Absicherung können hier nämlich erhebliche Summen auf dem Spiel stehen. Natürlich kann der Käufer auch darauf verzichten, Vabanque spielen und hoffen, dass sich der Kurs im Jahresverlauf bis zur Fälligkeit der Zahlung positiv entwickelt. Gerade in Anbetracht der aktuellen geopolitischen und weltkonjunkturellen Situation kann das Risiko, im Endeffekt mehr bezahlen zu müssen, aber recht groß sein.

Steht beispielsweise der Kurs im Januar bei EUR/USD 1,1500 und die betreffende Summe liegt bei 100.000 US-Dollar (= 86.956,52 Euro), so erhöht sich die Summe bei einem Devisenkurs von EUR/USD 1,1000 im September auf dann 90.909,09 Euro, eine Differenz von 3.952,57 Euro – keine Kleinigkeit.

Was für die Unternehmen vor allem zählen sollte, ist eine sichere und stabile Budgetierung. Das bedeutet: Sie sollten auch langfristig mit einer relativ erwartbaren Kursentwicklung rechnen und planen können. Bei möglichen Kursschwankungen geht es bereits um beträchtliche Summen, für die eine entsprechende Vorausplanung geben sollte.

Verschiedene Instrumente zur Auswahl
Kauft der deutsche Händler Waren aus China, legt er bereits bei Geschäftsabschluss den für ihn gültigen Devisenkurs fest. Die einfachste Form der Absicherung wäre der Kauf der benötigten Währung im vollen Umfang bei Geschäftsabschluss (im obigen Beispiel also schon im Januar) mit dem chinesischen Lieferanten – zum Beispiel in US-Dollar, einer Drittwährung, da der US-Dollar nach wie vor die gängige Währung bei internationalen Geschäften ist. Das Problem: Mit dem vorzeitigen Kauf der benötigen Fremdwährungen für das abgeschlossene Geschäft werden Liquiditätsmittel gebunden, die im Jahresverlauf vielleicht an anderer Stelle dringender benötigt werden könnten.

Die weitaus gängigere Methode zur Absicherung von Fremdwährungsrisiken sind klassische Devisentermingeschäfte. Durch eine Wechselkurssicherung mittels Termingeschäften verpflichtet sich der Importeur, zu einem bestimmten Zeitpunkt oder innerhalb eines bestimmten Zeitfensters einen fest vereinbarten Fremdwährungsbetrag zu einem festen Devisenkurs, dem sogenannten Terminkurs, abzunehmen, und zwar mit dem Vorteil, keine oder nur eine sehr geringfügige Liquidität dafür aufzuwenden – je nach bilanzieller Stärke. Zusätzlich profitiert der Importeur vom Zinsvorteil des US-Dollars gegenüber dem Euro. Je länger also die Laufzeit des Devisentermingeschäfts, desto besser ist im Allgemeinen der Terminkurs im Vergleich zum dann gültigen Kassakurs. Der Zinsvorteil basiert auf die aktuell vorherrschende Zinsdifferenz der beiden Währungsräume.

Der Vorteil von klassischen Termingeschäften dürfte klar sein: der Importeur ist abgesichert gegen ungünstige Kursentwicklungen. Daraus resultiert aber auch ein gewisser Nachteil: Sollte beispielsweise der Kassakurs am Tag der Fälligkeit des Termingeschäfts – also am Tag der Zahlungsverpflichtung an den chinesischen Lieferanten – besser sein, so würde sich der Importeur wünschen, die Absicherung nicht getätigt zu haben, da der Kauf in der Kasse dann günstiger wäre.

Für diese oder ähnliche Szenarien gibt es jedoch ebenfalls Lösungen, welche über Devisenoptionen abgebildet werden können. Diese Absicherungsprodukte gibt es in den unterschiedlichsten Ausprägungen und Formen und erlauben beispielsweise eine Partizipation mit einem gewissen Prozentsatz des abzusichernden Fremdwährungsbetrags oder auch einen deutlich verbesserten Konvertierungskurs. Der Balanceakt zwischen den unterschiedlichen Produkten kann gelingen, wenn diese gemäß dem Bedarf und der Markterwartung diversifiziert eingesetzt werden.

Risikotoleranz hängt von verschiedenen Faktoren ab
Im Endeffekt kann niemand dem einzelnen Käufer beziehungsweise Importeur die Entscheidung abnehmen, welches Risiko er eingehen und wieweit er sich festlegen möchte. Branche und/oder Unternehmensgröße sind für diese Entscheidung zweitrangig. Worauf es ankommen sollte, ist die Wertschöpfungstiefe und die zugrundeliegende durchsetzbare Marge, sprich der Wettbewerb. Je „flacher“ die Wertschöpfungskette ist, desto wichtiger ist die Marge, denn im entsprechenden Wettbewerb zählt dann ausschließlich der Preis – wie etwa im Handel. Da kann es im wahrsten Wortsinn schon auf jeden Cent ankommen.

Wichtig ist, auf welcher Basis die Entscheidung des einzelnen importierenden Unternehmens erfolgt. Zu einer qualifizierten Risikoabwägung gehört dabei nicht nur ein Minimum an Kenntnissen in punkto Währungsentwicklung und deren maßgeblicher Treiber, sondern auch das Wissen um weitere Faktoren. Erst das macht unserer Ansicht nach ein kompetentes Währungsmanagement möglich. Dabei geht es um Fragen wie: Ist Hedging angebracht? Welches Absicherungsinstrument eignet sich für welchen Zahlungstermin? Welche Zahlungsziele bestehen beziehungsweise sind besonders relevant?

Kompetente Beratung ist wichtig
Um hier das Optimum in jedem individuellen Fall zu finden, braucht es einen kompetenten Beratungspartner. Gleiches gilt im Prinzip für die Einschätzung zusätzlicher Risiken, wie sie zurzeit im ungeklärten und schwer vorhersehbaren Zollstreit insbesondere der USA mit China, aber auch der EU vorherrschen.

Diese führen zu einem weiteren relevanten Thema: dem direkten Handel in Euro und Renminbi (CNH/CNY) unter Umgehung der ansonsten üblichen Doppelkonvertierung über den US-Dollar. Damit können nicht nur bestimmte Risiken wegfallen, es kann auch ein leichter Zinsvorteil wegen des etwas höheren Leitzinses in China locken. Ferner kann durch die Fakturierung in der chinesischen Landeswährung das beliebte Nachverhandeln der Lieferanten vermieden werden, welches zum Zuge kommen kann, wenn sich der US-Dollar gegen den Lieferanten, also für den deutschen Importeur bewegt.

Wer Handel treibt, ist natürlich auf das Erzielen eines Vorteils erpicht, ansonsten wäre sein Tun letztlich sinnlos. Ein gezieltes und kompetent unterstütztes Währungsmanagement ist dafür hilfreich – ein Handel in Euro/Renminbi kann aber noch konkretere Vorteile bringen: einen Preisvorteil, einen Zinsvorteil und die Gewissheit, vor Nachverhandlungen geschützt zu sein.

Ganz gleich jedoch, ob mit oder ohne Doppelkonvertierung: Unserer Ansicht nach sollten gerade beim Saisongeschäft und seinen langen Vorlauffristen die Währungsrisiken so weit wie möglich minimiert beziehungsweise eliminiert werden. Ob letzten Endes eine Absicherung zum Einsatz kommt, und wenn ja welche, entscheidet ein Unternehmen im Einzelfall – die Auswahl ist fast ebenso groß wie die Anwendungsbreite. Es sollte darauf ankommen, für das Unternehmen das Richtige zum richtigen Zeitpunkt zu tun. Dann stehen die Chancen auf ein rundum gelungenes Weihnachtsgeschäft besser denn je.

von Murat Temel, Senior Sales Manager Corporate FX-Solutions bei Western Union Business Solutions

Bild: Warum ein intelligentes Währungsmanagement so wichtig ist; Foto: FleishmanHillard Germany GmbH

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