Technologietransfer durch Technische Händler


Die Verschmelzung von Anlagenüberwachung, Kommunikationstechnologien und Daten-analyse eröffnen auch im Bereich Wartung, Instandhaltung, Reparatur (MRO) neue Perspektiven. Condition Monitoring bzw. Predictive Maintenance sind dabei zentrale Eckpunkte. Wälzlager der neuen Generation etwa erhöhen dank modernster Zustands-überwachungssysteme die Wertschöpfung der Anlagen. Zwischen hoher Innovationskraft der Lagerhersteller und individuellen Ansprüchen der Anwender kommt dem Technischen Handel eine besondere Relaisfunktion zu: Mit stets aktueller Produkt- und Prozesskompetenz diesen Technologietransfer möglich machen.

Als der Maschinenbediener den seltsamen Geruch bemerkte und er leichten Rauch aus der Werkzeugmaschine aufsteigen sah, war es auch für eine Notabschaltung bereits zu spät: Mit einem Lagerschaden verabschiedete sich die Hauptspindel und brachte nicht nur urplötzlich die Fertigung kurzfristig zum Stillstand, sondern zog auch eine teure, zeitaufwändige Reparatur inklusive Produktionsausfall nach sich.

Das hätte sich das Unternehmen sparen können. Denn laut den führenden Wälzlager-herstellern liegen die Ursachen solcher Ereignisse bei normalen Betriebsbedingungen in den seltensten Fällen an der Qualität des Lagers. Weitaus häufigere Ausfallursachen seien Nachlässigkeit und Fahrlässigkeit, z. B. eine unzureichende Schmierung oder ein Betrieb außerhalb der Spezifikationen.

Ralf Hellwig, Geschäftsführer des Technischen Händlers BRAMMER aus Karlsruhe: „Alle führenden Lagerhersteller investieren seit Jahren mit enormem Aufwand in die Entwicklung intelligenter Lagersysteme zur präzisen Selbstdiagnose in rotierenden Systemen. Sie nehmen dank integrierter Sensorik kritische Parameter in Echtzeit, wie etwa Schwingungen, Temperatur, Drehzahlen, auf und übertragen sie an Analysetools. Ein Beispiel ist die SKF Insight-Technologie, die 2013 auf der Hannover-Messe vorgestellt wurde und auch im Rahmen der SKF Condition Monitoring-Anwenderkonferenz im Juni 2017 einen Schwerpunkt darstellte.“

Über die Cloud zur besseren Anlagenverfügbarkeit
Die SKF Insight-Technologie ermöglicht es, Sensoren, Stromversorgung, Diagnose- und Kommunikationsfunktionen ins Lager zu integrieren. Dabei versorgen sich Sensoren und Elektronik selbst mit Strom, sind also autark. Auf diese Weise kann die Zustandsüberwachung verstärkt auch in Anwendungen genutzt werden, wo sie bisher nicht möglich war. So etwa in Windenergieanlagen oder in Schienenfahrzeugen. Mit SKF Insight-Technologie ausgerüstete Lager weisen einzeln oder via Netzknotenpunkte mehrerer verbundener Lager auf Betriebs-bedingungen hin, die zu Lagerausfällen führen können und ermöglichen so ein Eingreifen vor Schadenseintritt. Auf diese Weise werden die Gesamtbetriebskosten eines Lagers radikal gesenkt. SKF Insight ist das Ergebnis eines lebenszyklusbezogenen Ansatzes in der Lagerkonstruktion. Der Anwender kann die Daten beispielsweise per „SKF@ptitude Monitoring Suite“ selbst auswerten oder direkt über die Cloud an das SKF Ferndiagnose-zentrum senden.

Weit über die herkömmliche Schwellenwertüberwachung von Wälzlagern hinaus ist die Liste von Möglichkeiten für umfassendes Condition Monitoring lang. So nutzte NSK die EMO 2017, um unter anderem ein Condition Monitoring-System (CMS) für die Echtzeitanalyse des Zustandes von Kugelgewindetrieben vorzustellen. Es schafft die Voraussetzungen für hundertprozentige Verfügbarkeit eines Linearantriebs.

Zukunftsweisend sind auch die Lösungen der Schaeffler Gruppe: Auf der EMO 2017 wurden Prototypen von Rollenumlaufeinheiten mit zustandsorientierter automatisierter Nach-schmierung und einem System zum Schutz von Motorspindellagerungen vor Überlastung gezeigt. Brandaktuell ist auch der Prototyp eines Mehrkanal-Condition Monitoring-Systems zur Überwachung mehrerer Lagerstellen in Werkzeugmaschinen in Kombination mit digitalen Services zur „Automatisierten Diagnose“. Zur WindEnergy Hamburg präsentierte Schaeffler digitale Services zur Zustandsüberwachung, angepasst auf die Anforderungen von Windkraftanlagen. Mit modularer Sensorik im Triebstrang, speziell abgestimmt auf niedrige Drehfrequenzen am Hauptlager und auf der Getriebe-Eingangsseite, werden zum Beispiel mittels Schwingungsmessung Zustandsinformationen im Betrieb erhoben und in Echtzeit verarbeitet. Mit dem digitalen Service „Automatisierte Wälzlagerdiagnose“ kann der Betreiber bzw. Instandhalter weltweit via Internet-Verbindung den Zustand der einzelnen Lager und auch ganzer Aggregate überwachen. So erhält er eine Klartextmeldung über das analysierte Schadensbild und kann per Fernanalyse auf die Unterstützung der Experten bei Schaeffler zurückgreifen.

Technischer Handel mit Beratungs- und Prozesskompetenz
Ralf Hellwig: „Die Beispiele zeigen, wie der Technische Handel gefordert ist, als kompetenter Mittler zwischen Hersteller und Anwender zu fungieren. Mit dem Anspruch, unsere Geschäftspartner optimal zu beraten, sind wir in der Pflicht, stets eigene Material- und Applikationskompetenz up to date zu halten. So haben wir uns auf beiden Seiten einen hervorragenden Namen geschaffen.“

Mit mehr als zehn Millionen Wälzlagern im Bestand, wobei 56.000 unterschiedliche Lagertypen verfügbar sind, ist BRAMMER nach eigenen Angaben Europas größter Händler für Wälzlager. BRAMMER unterstützt herstellerunabhängig Unternehmen dabei, die für sie beste CM-Technologie auch im Wälzlagersegment zu finden und in den jeweiligen Produktionsablauf zu integrieren. Dazu verfügt BRAMMER über die technische Kompetenz, das Sortiment und die Branchenkenntnisse.

Ralf Hellwig: „Ob automatisierte Diagnose von Maschinen, Restlaufzeitberechnung der Lagerungen oder die bedarfsgerechte Schmierung von Lagerstellen – die Wälzlagerlösungen im Bereich CM werden immer komplexer. BRAMMER Spezialisten halten mit ihrem Knowhow Schritt mit den neuesten Wälzlager-Entwicklungen, um dem Kunden stets die besten Systeme verkaufen zu können. Denn hier trennt sich die Spreu vom Weizen: Als kompetenter Lösungs-, Beschaffungs- und Dienstleistungspartner sind wir nicht nur ’Päckchenversender’. Vielmehr profitieren im Bereich Wälzlager die Anwender von unseren herstellerunabhängigen Produktschulungen, Anwendungsberatungen sowie flankierenden MRO-Mehrwertdienstleistungen, wie etwa das lieferantengesteuerte Bestandsmanagement des Wälzlagerbestandes.“

Bild: BRAMMER Spezialisten kennen sich mit den neuesten Wälzlager-Entwicklungen aus, um dem Geschäftspartner stets die besten Systeme anbieten zu können; Foto: BRAMMER GmbH

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