Welthandel zwischen Skepsis und Hoffnung

Handelssanktionen und Zölle, der Wettbewerb nationaler Egoismen und die Brexit-Hängepartie sind nur drei Gründe für die allgemeine Skepsis gegenüber der Zukunft des Welthandels. Das gilt ebenso in der Logistik, Deutschlands drittgrößtem Wirtschaftsbereich. Doch auch in Zeiten allgemeiner Unsicherheiten gibt es Projekte, von denen Impulse ausgehen, wie beispielsweise die Neue Seidenstraße. Auf dem Deutschen Logistik-Kongress 2019 in Berlin diskutierten Experten über Schwierigkeiten und sprachen über Hoffnungsträger.

„Die Weltwirtschaft befindet sich in einer schwierigen Zeit als Folge schlechter politischer Entscheidungen“, eröffnete Robert Blackburn, Vorstandsvorsitzender der Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V., die Pressekonferenz des Kongresses. Sanktionen und der Hang zu nationalen Alleingängen, befeuert von US-Präsident Donald Trump oder den Brexit-Unsicherheiten in Großbritannien, erschweren den weltweiten Handel und lassen auch die deutsche Wirtschaft mit einer gewissen Ratlosigkeit auf die Konjunkturentwicklung blicken. „Die Weltwirtschaft ist alles andere als einfach, stabil oder planbar“, betont Reiner Heiken, CEO beim Transport- und Logistikdienstleistungsunternehmen Hellmann Worldwide Logistics.

Auch die Logistik stellt das vor große Herausforderungen: „Bisher planbare Spitzen sind nicht mehr kalkulierbar“, erklärt Heiken. Sollte es zu einem No-Deal-Brexit kommen, werde der internationale Handel mit dem Vereinigten Königreich erhebliche zeitliche Verzögerungen erleben. Alan McKinnon, Professor für Logistik an der Kühne Logistics University in Hamburg, veranschaulicht das mit Zahlen: „Dauert der Check von EU-Transportfahrzeugen heute lediglich zwei Minuten, sind es bei Non-EU-Trucks 20 bis 90 Minuten. Wegen fehlender Dokumentation werden rund 50 bis 85 Prozent der Lkw stehen bleiben. Das bedeutet eine Verzögerung von zweieinhalb Tagen in der Lieferkette.“

Trotz all der Schreckensszenarien rund um die globale Supply Chain gibt es auch Lichtschimmer am Horizont. Eines der Projekte ist die Belt-and-Road-Initiative (BRI) – die sogenannte Neue Seidenstraße. „In Zeiten zunehmender Risiken lautet die richtige Antwort: überregionale Zusammenarbeit“, betont Wu Ken, chinesischer Botschafter in Deutschland. Die BRI bedeute genau das: internationales
Zusammenrücken. Seit 2013 werden unter dem Begriff BRI Maßnahmen und Projekte gebündelt, die den Ausbau interkontinentaler Handels- und Infrastrukturnetze in China und über 70 weiteren Ländern fördern – auf dem Landweg (Belt) und auf dem Seeweg (Road). „Die Neue Seidenstraße ist eine gewaltige Chance zur Verbesserung der Konnektivität und der systematischen Zusammenarbeit sowie zur Erschließung neuer Märkte“, benennt Wu Ken die Kerngedanken der Initiative.

Einen Nutzen hat das internationale Zusammenrücken auch für die globale Supply Chain und Logistikdienstleistungsunternehmen. Die Initiative trägt laut Wu Ken zu einer Verringerung der Transportzeiten um zwölf Prozent für BRI-Anrainerstatten bei. Das Wirtschaftsforschungsinstitut ifo rechnet darüber hinaus in einer Studie zu den Megatrends im Welthandel mit einer Senkung der Transportkosten.

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