Die „Task Force Einkauf 4.0“ des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik in Österreich (BMÖ) hat den zweiten Zwischenbericht vorgelegt. Danach fordern die Beteiligten aus Wirtschaft und Verband einheitliche IT-Standards, die Anpassung der Rechtsgrundlagen und Vorkehrungen für mehr Datensicherheit.
Im Bericht heißt es: Der Grad implementierter zukunftsfähiger Systeme und des gezielten Einsatzes von Personalkapazitäten ist über alle Branchen, Unternehmensgrößen und -formen hinweg unterschiedlich hoch ausgeprägt. Besonders für kleine Unternehmen gilt es konzentriert daran zu arbeiten, auch in digitalisierten Netzwerken ein akzeptierter Partner zu bleiben. Digitalisierung und daraus entstehende Vorteile können nur dann effizient und effektiv wirken, wenn möglichst viele Beteiligte auf allen Seiten e-ready sind.
Vom Einkauf als Wertschöpfungspartner Nr. 1 im Unternehmen und Kommunikator zwischen Kundenwunsch und Beschaffungsmarkt werden signifikante Beiträge zur Wertschöpfung der Unternehmen erwartet, ebenso wie innovative Modelle und Prozesse, die interne Bedarfs-träger bei ihren Aufgaben unterstützen und externen Geschäftspartnern Anbindung, medienbruchfreien Datenaustausch und Kollaboration ermöglichen. Daraus ergeben sich Trends wie Digital Supplier und Dashboards mit Real-time Monitoring für direkt anwendbare Workflows, die auch in Krisenfällen systematisch greifen. Multi-Tasking-fähige IT-Systeme sind notwendig, um eine tiefe, reale Vernetzung (ohne Brüche an den diversen internen/ externen Schnittstellen) auch global zu realisieren.
Heinz Pechek (Geschäftsführendes BMÖ-Vorstandsmitglied): „Gezieltes Initiieren und Steuern von Maßnahmen muss trotz hemmender Parameter bzw. Einflussfaktoren zeitnah in Angriff genommen werden.“ Es gelte, frühzeitig in Netzwerken auch mit externen Partnern systematisch Erfahrungen zu generieren. Störfaktoren sind laut der BMÖ-Task Force zum Beispiel:
• Kanalisierung riesiger Datenmengen, gepaart mit ungeklärten Fragen der Datensicherheit
• Unbefugte Nutzung der Daten durch Dritte (Datensicherheitslücke)
• Mangelnde Sicherheitsvorkehrungen bei IT-Systemen
• Schnittstellenprobleme (intern/extern) durch Vielzahl heterogener IT-Systeme
• Mangelnde Konsolidierung der Anbieter
• Keine klare Sicht des Einkaufs für eine ideale 4.0-fähige IT-Infrastruktur
• Unzulängliche Vernetzung Lieferant-Unternehmen-Kunde
• Unterschiedliche Ansichten der Generationen über Datennutzung und Datenverbreitung
• Unterentwickelter Breitband-Ausbau in Österreich
Daraus ergibt sich laut BMÖ-Bericht für den Einkauf im Kontext der Big Data Ökonomie die Notwendigkeit einer intensiven Beschäftigung mit Themen wie Zukauf von Innovationen,
Early Supplier Involvement sowie Datengenerierung aus der Produktnutzung durch Kunden.
Forderungen der Task Force
• Einheitliche IT-Standards und Normen
• Anpassung der Rechtsgrundlagen/des Vertragsrechts (Haftung)
• Nutzungsmodelle statt Eigentum
• Vorkehrungen für mehr Datensicherheit
• Anpassung der Aus- und Weiterbildung; Beispiel Data Scientist;
Schwerpunkte Technik, Informatik, Recht
„Die derzeitige Ausgangslage erfordert offene, neue Diskussionsformen. Auf bewährte Lösungen und Praktiken kann in Sachen 4.0 nicht zurückgegriffen werden. Best Practice Beispiele geben zwar Anregungen, erlassen aber nicht konkretes und stringentes Vorgehen im eigenen Unternehmen“, betont Heinz Pechek. Die in der Task Force generierten Erkenntnisse fließen in die Angebote des Verbands und der Akademie ein.

