Starker Anstieg der Transportkapazitäten

Im 1. Quartal dieses Jahres ist die für Straßentransporte zur Verfügung stehende Kapazität an freiem Frachtraum verglichen mit Q4 2018 um fast ein Drittel gestiegen. Damit wurden zu Jahresbeginn bereits deutlich weniger Güter auf der Straße transportiert als in den Monaten zuvor. Im Vergleich zu Q1 2018 war in diesem Jahr von Januar bis März ebenfalls mehr Transportkapazität verfügbar (+14,9 %). Der starke Anstieg ist ein erster Beleg, dass die Wirtschaft in Europa und Deutschland bereits langsamer wächst als in den vergangenen Jahren.

Die Transportpreise waren in Q1 2019 um 8,4 % günstiger als in Q4 2018, was sich unter anderem auf einen deutlichen Rückgang der Dieselpreise zurückführen lässt. Das geht aus der 39. Ausgabe des Transport Market Monitors (TMM) von Transporeon und TIM CONSULT hervor.

Die zentralen Ergebnisse im Überblick
• Im 1. Quartal 2019 ist der Kapazitätsindex gegenüber dem vorangegangenen Quartal um 31,4 % auf 126,5 Indexpunkte gestiegen (Q4 2018: Index 96,3).
• Der Transportpreisindex ist in Q1 2019 auf einen Index von 93,3 gesunken, was einem Rückgang um 8,4 % gegenüber dem 4. Quartal 2018 entspricht (Index 101,8). Der Preisindex war damit um 1,3 % höher als in Q1 2018 (Index 92,1).
• Der Dieselpreisindex ist gegenüber dem 4. Quartal 2018 um 9,3 % gesunken.

Nachdem die verfügbare Transportkapazität bereits in der zweiten Jahreshälfte 2018 kontinuierlich zugenommen hatte, stand den verladenden Unternehmen aus Wirtschaft und Handel in Q1 2019 im Schnitt 31,4 % mehr freier Frachtraum zur Verfügung als gegen Ende 2018. Wenn mehr Lkw nach Fracht suchen, werden folglich weniger Güter und Waren transportiert.

„Der von uns in den letzten Monaten beobachtete, starke Anstieg der verfügbaren Transportkapazität kann als ein erster Beleg für die Eintrübung der wirtschaftlichen Entwicklung herangezogen werden. Bislang gab es nur entsprechende Prognosen, beispielsweise der deutschen Bundesregierung. Sie geht im Ende Januar veröffentlichten Jahreswirtschaftsbericht 2019 nur noch von einem Anstieg des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts um ein Prozent aus“, sagt Oliver Kahrs, Geschäftsführer TIM CONSULT.

Für innerdeutsche Transporte wurden in Q1 dieses Jahres bezogen auf das davorliegende Quartal sogar 38 % mehr freie Kapazitäten für tagesaktuell zu vergebende Transporte (Spotmarkt) angeboten. „Sowohl in Europa als auch in Deutschland gab es nur im 1. Quartal 2009 noch mehr frei verfügbaren Frachtraum. Das war im Zuge der Banken- und Wirtschaftskrise“, so Kahrs weiter.

Transportpreise sind rückläufig aber weiterhin hoch
Die Transportpreise waren im 1. Quartal dieses Jahres zwar stark rückläufig, aber weiterhin verhältnismäßig hoch. „Der Transportpreisindex für Q1 2019 liegt 1,3 % über dem Wert für das 1. Quartal 2018. Eigentlich hätten die Preise dieses Jahr jedoch günstiger sein müssen als zu Jahresbeginn 2018, da diesmal im 1. Quartal 14,9 % mehr freier Frachtraum verfügbar war. Bei innerdeutschen Transporten lagen die Transportpreise im 1. Quartal sogar 4,5 % über den Preisen von Q1 2018. Ein Grund hierfür könnte die Anpassung der Lkw-Mautsätze zu Jahresbeginn sein“, meint Jan Rzehak, Director Business Consulting Transporeon.

Da immer mehr freier Frachtraum angeboten wird, nimmt auch die Preisdifferenz zwischen dem günstigsten und teuersten Angebot je Transportauftrag auf dem Spotmarkt zu. „Die verfügbare Transportkapazität ist in den ersten Monaten saisonal bedingt meist höher als im weiteren Jahresverlauf. Daher fällt auch die Preisdifferenz im 1. Quartal tendenziell größer aus. 2019 war sie mit 25 % jedoch besonders hoch. Verladende Industrie- und Handelsunternehmen dürften daher bei der Vergabe ihrer Transportaufträge am Spotmarkt von günstigeren Preisen profitiert haben. Entsprechende Unterschiede zwischen dem höchsten und niedrigsten Angebot pro Transportauftrag haben wir zuletzt im 4. Quartal 2009 beobachten können. Das war das erste Jahr, in dem die Europäische Union im Zuge der Banken- und Wirtschaftskrise ein negatives Wachstum verzeichnete. Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung dürfte die Preisdifferenz auch in den kommenden Monaten überdurchschnittlich ausfallen. Eine Transportvergabe am Spotmarkt ist damit weiterhin höchst attraktiv“, so Rzehak weiter.

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